Druckschrift 
Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

Deutsche Stenographie. 8l

fertigen unternommen, auch 1851 eine Probe derselben veröffentlicht, dochmusste er das Unternehmen aus Mangel an Unterstützung aufgeben. Jetztnahm die Wiener Staatsdruckerei die Herstellung solcher Typen in die Hand.

Eine wesentliche Förderung erhielt die Gabelsberger'sche Stenographiedurch das von Dr. K. Albreclü »zum erstenmal nach der calculierendenMethode« bearbeitete und 1854 veröffentlichte Lehrbuch, in welchem dieStenographie wie eine Sprache und zwar wie in Ahn's Lehrbuch der fran-zösischen Sprache bearbeitet wurde. Durch diese Methode wurde die man-gelnde Regelmäßigkeit verdeckt und die Einübung der Schreibweisen undSigel an Satzbeispielen vorgenommen. Das machte die Erlernung angenehmerund das Buch fand besonders in Vereinscursen viele Freunde; es wirkte aberauch auf andere Verfasser stenographischer Lehrbücher ein, welche demselbenvielfache Anregungen entnahmen.

Unterdessen war in Dresden Wigard wegen seiner Betheiligung an derFrankfurter Nationalversammlung und demokratischer Gesinnung als Vorstanddes königl. stenographischen Institutes abgesetzt worden, worauf er sich demStudium der Medicin widmete. Unter seinem Nachfolger machten sich indiesem Institute, welches in Anhänger und Gegner der Münchener Beschlüssezerfallen war, die Systemstreitigkeiten besonders geltend und der Regierungso unangenehm, dass sie 1854 zum Vorstande desselben den RegierungsrathHugo Haepe bestellte, einen Mann, der nicht Berufsstenograph, wohl aber einKenner und eifriger Freund der Gabelsberger'schen Stenographie war. Dieserverfolgte sofort zwei Ziele: 1. eine rührige Propaganda, 2. die Herstelluno-einer Schrifteinheit zunächst im Institut und in weiterer Beziehuno- in derganzen Gabelsberger'schen Schule. Er veranlasste die Institutsmitglieder, mitden bekannten Stenographen in aufmunternden schriftlichen Verkehr zu treten,und die Herausgabe des »Correspondenzblattes« 1856 zur Veröffentlichungder erhaltenen Mittheilungen. So gelang es in dem 1858 erschienenen »Ka-lender« schon 25 Vereine aufzuführen, von denen jedoch die Zahl der Mit-glieder nicht bekannt ist. Behufs Erzielung einer Schrifteinheit veranlassteer die Institutsmitglieder zu Sitzungen, in welchen die bestehenden Lehr-bücher untersucht, die widersprechenden Schreibweisen ausgehoben und überdieselben abgestimmt wurde. Haepe hatte eine große Meinung von derGabelsberger'schen Stenographie, er hielt dieselbe für berufen, allgemeineSchrift und selbst in Volksschulen eingeführt zu werden. Er fand namentlichin Prof. Heinrich Rätzsch einen des Systems ausgezeichnet kundigen undauf seine Ansichten eingehenden Mitarbeiter. Daher wurde als Richtschnur fürdie Beschlüsse die Vereinfachung des Systems, dieconsequentereDurchführung der Regeln und die größte Genauigkeit in derBezeichnung aufgestellt. Der durchreisende G. Gerber wurde von dieserArbeit in Kenntnis gesetzt und damit das Einverständnis des Münchener Central-Vereins gewonnen. Nachdem auf die angegebene Weise 3677 Beschlüssegefasst worden waren, wurden diese 1857 in einer »Zusammenstellung«, welche9 Quartseiten umfasste, allen Vereinen und Lehrern zur Begutachtung zuge-sendet. Zur Berathung und Beschlussfassung trat im August eine Commissionzusammen, welche aus fünf Vertretern des Dresdener Instituts, fünf Vertreterndes Münchener Centralvereins und einem Vertreter des Wiener Gentralvereinsbestand. Diese prüfte die Zusammenstellung sowie die 14 eingelangten Gut-achten, entschied mit einfacher Majorität und legte ihre Beschlüsse (H. Gr.S. 22022) einer sich unmittelbar anschließenden allgemeinen Versammlungvor. Damit die Resultatlosigkeit der Münchener Versammlung nicht wieder-kehre, waren die Beschlüsse für die Theilnehmer an derselben von vornherein

Kaulmann, K., Geschichte und Litteratur der Stenographie. 6