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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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78 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.

System zu Grunde legten, so beweist dies, dass sie dessen Kern für denbesseren hielten. So suchten Karl Jacobi in Berlin 1850 und Dr. K. v.Günther 1851 in München das Stolze'sche System einzeilig zu gestalten(H. Gr. S. 236), während Max Jordan 1852 einfachere Zeichen für Conso-nantenverbindungen einführen wollte (H. Gr. S. 288). Die Versuche derbeiden Erstgenannten sind bis zur Gegenwart fortgesetzt worden.

Der Advokat Hammer in Innsbruck suchte 1849 im Horstig'schen Systemeine Vocalsymbolik einzuführen (H. Gr. S. 198), doch ist sein Buch nichtvollständig erschienen. Der Student Cämmercr in Giessen wendete 1848 dasihm zulällig in die Hand gekommene englische System von Selwyn auf diedeutsche Sprache an (H. Gr. S. 204). Ein Ungenannter empfahl 1850 in derIllustrierten Zeitung eine Stenographie ohne Schriftzeichen, indemer ein Quadrat in 16 Stellen eintheilte und durch Verbindung dieser Stellendie Laute ausdrückte (H. Gr. S. 293). A. Wiesner in Berlin, welcher Rahm'sSystem praktisch erprobt hatte, gab dasselbe 1851 heraus (H. Gr. S. 256).Im selben Jahre veröffentlichte C. E. Rogol in Meissen ein geistvolles System,in welchem die Vocale durch die Aufstriche, die Consonanten durch Abstrichebezeichnet wurden (H. Gr. S. 209). Der Lehrer Christian Schmitt in Nieder-selters suchte das Horstig'sche System deutlicher zu gestalten (H. Gr. S. 199).Der Mathematiker /. B. Montag in Erfurt begnügte sich damit, kurzschrift-liche Zeichen aufzustellen, welche unverbunden an einander gereiht wurden(H. Gr. S. 207).

Zu gleicher Zeit erschienen die Systeme von Gabelsbergcr und Stolzein Neubearbeitungen. 1850 gab der Münchner Centralverein die zweite Auflageder Gabelsberger'schen Anleitung nach des Verfassers hinterlassenen Papierenheraus, wobei, um das Buch billiger und verkäuflicher zu machen, die theo-retische und geschichtliche Einleitung weggelassen wurde. Über den Inhaltdieses Werkes sagt Prof. Oppermann: »Die Vocalisation war ausführlicherbehandelt und in bestimmtere Regeln gebracht, ohne dass die Schreibweisenindess überall mit der Theorie sich deckten, auch die Unterscheidung zwischenmittelbarer und unmittelbarer Verbindung war theilweise consequenter durch-geführt«. Stolze veröffentlichte 1852 eine neue Auflage seines Werkes, welchesdeutlich die Folgen der praktischen Anwendung erkennen lässt: ausführlichwar die Lehre von den Fremdwörtern behandelt und in einem Anhange wareine Anweisung zur Bildung von Specialsigeln gegeben, da die Begriffs-wörtersigel der ersten Auflage die politischen Ausdrücke zu wenig berück-sichtigt hatten. Damit war das System praktischer geworden, aber die Er-lernbarkeit noch mehr erschwert.

In beiden Schulen suchten die Lehrer der Stenographie die Erlernungauf methodischem Wege zu erleichtern. Das »erste österreichischeStenographenbureau« (C01111 und Dr. Kratky) veröffentlichte ein recht über-sichtliches Lehrbuch der Gabelsberger'schen Stenographie 1850, im selbenJahre Drechsler eine Anweisung, dasselbe in kurzer Zeit praktisch zu erlernen.A. Puschkin veröffentlichte 1851 ein gut gearbeitetes Lehrbuch und K. Albrechtim selben Jahre Aufgaben. Förster, Kretschmar, Westermaycr gaben Wörter-bücher für das Gabelsberger'sche System heraus, welche jedoch von denleitenden Kreisen mit scheelen Augen angesehen wurden, weil man die Meinungfürchtete, es müsse jedes Wort auswendig gelernt werden. Und doch wäreein mustergiltiges Wörterbuch für die Gabelsberger'sche Schule sehr nützlichgewesen. Für das Stolze'sche System gaben Winter eine Fibel, Dr. Michaelisvier Übersichtstafeln, Adam Aufgaben zur Übertragung, Glasbrenner undDr. Lobeck Sigeldistichen heraus.