Deutsche Stenographie. nn
zwei Horstig'sche Stenographen neben 10 Gabelsbergerianern beschäftigen,der Mangel an praktisch geschulten Kräften drängte dieSystemfrage in den Hintergrund. Allerdings machten die Gabels-berger'schen Stenographen, deren System sich durch seine Verwendung inBayern und Sachsen einen Ruf erworben hatte, drei Viertel sämmtlicherStenographen aus, aber gleichwertig mit ihnen zeigten sich die Steno-graphen nach Stolze, Horstig und Rahm. Selbst als die größte Nachfragevorüber war, beim Parlament in Erfurt, arbeiteten 10 Stolzeaner, 5 Gabels-bergerianer, 1 Horstig'scher und 1 Rahm'scher Stenograph nebeneinander.Es ergibt sich hieraus, dass die jetzt sehr verbreitete Meinung,die deutschen Stenographien vor Gabelsberger und Stolzeseien praktisch unverwendbar gewesen, irrig ist, anderseitsaber gereicht es den deutschen Stenographen zur Ehre, dasssie unter den ungünstigen politischen Verhältnissen der frü-heren Zeit sich so vorgebildet hatten, dass sie den großenBedürfnissen des Jahres 1848 entsprechen konnten.
Am 4. Januar 1849 starb Gabelsberger, dessen mühevolles Leben einfroher Ausblick in die zukünftige Anerkennung abschloss. Vier Tage spätergründeten seine Münchner Schüler (29) den Gabelsberger Stenographen Cen-tralverein zu München, an dessen propagatorischer Thätigkeit Georg Gerberden größten Antheil genommen hat. Zugleich hatte das Jahr 1848 denStenographen frischen Muth gegeben, anfangs 1849 erschien das »Archivfür Stenographie« (Stolze's System) in Berlin als erste stenographi-sche Zeitschrift in Deutschland, im selben Jahre folgten die Münche-ner »stenographischen Blätter.« Diese Zeitschriften waren ein früher nichtgekanntes Mittel, die Anhänger eines Systems zusammenzuhalten und ihr In-teresse rege zu erhalten. Jetzt war es auch Heger möglich geworden, inWien einen Stenographen - Centralverein zu gründen, in Berlin entstandein Gabelsberger'scher Stenographenverein. In Leipzig wurde die Gabels-berger'sche Stenographie durch Dr. Albrecht in Dr. Hauschild's ModernemGesammtgymnasium eingeführt. Von Wiener Stenographen, welchenach der Aufhebung des Reichstags in Kremsier beschäftigungslos gewordenwaren, wurde die Stenographie bei den Schwurgerichtsverhandlungenangewendet und als auch diese aufgehoben wurden, die Beschäftigung beiAdvocaten und als Lehrer der Stenographie in den Mittel-schulen aufgesucht, in welcher Beziehung namentlich Leopold C01111 bahn-brechend wirkte. Diesem gelang es auch, trotz der beschränkten Öffent-lichkeit der Gerichtsverhandlungen die Erlaubnis zur Berichterstattungfür die Zeitungen zu erwirken und so der praktischen Verwendung derStenographie in Österreich eine Zufluchtsstätte zu sichern, in der sie bis zubesserer Zeit ausharren konnte. Die Gabelsberger'sche Stenographie wurdean den Universitäten zu München, Wien und Prag gelehrt, die Stolze'scheStenographie durch Dr. Michaelis an der Universität zu Berlin eingeführt.
Das Verlangen nach stenographischen Lehrbüchern rief solcheins Leben, am meisten in der Gabelsberger'schen Schule, wo Gabelsberger'sAnleitung vergriffen war und Kretzschmar in Grimma, Nitzsche in Dresden,Ganz in Regensburg, Honig in Wien, Kapretz in Laibach dem Bedürfnisse,so gut sie konnten, abzuhelfen suchten, während in der mit Lehrbüchernwohl versehenen Stolze'schen Schule nur Isaacson in Hamburg ein Lehrbuchherausgab. Einige denkende Köpfe stellten sich höhere Aufgaben, sie suchtendie deutsche Stenographie dadurch einheitlich zu gestalten, dass sie das Gutevon Gabelsberger und Stolze vereinigten. Wenn sie dabei das Stolze'sche