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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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76 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.

1845 herausgab. In gleicher Zeit wurde von Jaquet durch die Aufnahmeder rheinischen Provinciallandtage zu Koblenz die praktische Verwend-barkeit des Stolze'schen Systems erwiesen und als 1847 derVereinigte Landtag nach Königsberg einberufen wurde, übernahm Stolze mitseinen Schülern unter Jaquefs Leitung die stenographischen Aufnahmen derVerhandlungen desselben. Die ersten Aufnahmen fielen nicht zur Zufrieden-heit der Regierung aus, vier Stenographen, darunter Stolze, wurden ent-lassen und an ihre Stelle Wigard aus Dresden mit seinen Stenographenberufen.

Es ist oben (S. 74) erwähnt worden, dass Gabelsberger in den Neuen Ver-vollkommnungen die Polemik gegen Stolze aufgenommen hatte. Dieselbe fandeine Erwiderung im Dresdener Gewerbeblatt 1844 und diese eine Entgegnungim Bayerischen Kunst- und Gewerbeblatt von Gabelsberger und Weichster,welche als besondere Brochure erschien. Damit war der Kampf zwischenbeiden Systemen eröffnet, der sich bis auf die jetzige Zeit fortgesponnenhat. Zugleich ahmten die Gabelsbergerianer die Stolze'sche Propaganda nach,

1846 wurde ein Gabelsberger'scher Verein in Leipzig, 1847 ein solcher inDresden gegründet, in Wien wurde die Bildung eines Vereines nicht gestattet,da Heger in seiner Lehranstalt seine Schüler zu Besprechungen versammelnund mit auswärtigen Stenographen nach Belieben correspondieren könne.Heger gab 1846 ein Praktisches Handbuch und eine kurze Grammatik derGabelsberger'schen Stenographie heraus, während Gabelsberger, dessen An-leitung (600 Exemplare) 1846 vergriffen war, mit der Ausarbeitung einerneuen Auflage nicht fertig werden konnte. Da aber zu befürchten war, dassdurch anderweitige Veröffentlichungen des regellosen Gabelsberger'schenSystems die Gleichmäßigkeit der Schrift gestört werde, so Hess sich Gabels-berger von Heger und Wigard das Versprechen geben, ohne seine Ein-willigung nichts an der Schrift zu ändern. Auch in der Stolze'schen Schule,wo Lamli 1845 eine Anleitung veröffentlicht hatte, machte sich die Be-fürchtung von Abänderungen geltend, weshalb 1849 eine Prüfungscom-mission zur Entscheidung zweifelhafter Fragen eingesetzt wurde. In dieserWeise suchten beide Schulen die Verbreitung und Einheit ihrer Systemezu sichern.

Auf dem übrigen stenographischen Gebiete herrschte wenig Leben. InStuttgart errang Winter mit der Horstig'schen Stenographie in der Kammergute Erfolge, welche auch Gabelsberger (in seiner Polemik gegen Stolze)anerkannte. Eine Umarbeitung des Mavor'schen Systems durch Dr. E.Marschner 1839 fand keine Verbreitung. Ein dem französischen Systemvon Fayet nachgebildetes deutsches System, welches erst 1849 erschien(H. Gr. S. 255), wurde vom Erfinder, dem Schweizer Meinhard Rahm,1845/7 in Berlin gelehrt, fand aber so wenig Beachtung, dass dieser nachDresden ging, um bei Wigard die Gabelsberger'schen Stenographie zu er-lernen, seinem enttäuschungsreichen Leben aber bald durch einen Sturz ausdem Fenster ein frühes Ende bereitete.

So kam das Jahr 1848 und mit ihm ein plötzlicher großer Bedarf anStenographen, um die Verhandlungen der großen und kleinen ParlamenteDeutschlands aufzunehmen. München war mit Gabelsberger'schen Stenogra-phen versehen, ebenso Dresden, in Wien arbeitete Heger mit seinen Schülern,in Berlin hatten beim zweiten Vereinigten Landtag die Stolzeaner das Steno-graphenbureau besetzt, in der Versammlung zur Vereinbarung der preußi-schen Verfassung arbeiteten 10 Stolzeaner und 1 Gabelsbergerianer; inFrankfurt musste Wigard, der als Abgeordneter das Bureau zu besetzen hatte,