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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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73
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Deutsche Stenographie. 73

theile der stenographischen Kürzung in der Currentschrift bieten sollte. Erstand jedoch von der Veröffentlichung der bereits druckfertigen Arbeit ab, under that wohl daran, denn ähnliche Arbeiten von Dr. H. A. Kerndörfer inLeipzig 1835 und Adolf Henze, dem bekannten Schriftenbeurtheiler in Leipzig,1847 (H. Gr. S. 297) blieben erfolglos, eine gleiche Arbeit von J. G. Halb-meyer in Aarau erlebte von 1846 bis 1859 vier Auflagen, doch dürften dieseAuflagen nicht groß gewesen sein.

Im Jahre 1843 veröffentlichte Gabelsberger »Neue Vervollkommnungen«seines Systems, welche sich auf die Abkürzungen der Geschlechtswörter undein von ihm aufgefundenes Verfahren der Prädicatkürzung, wonach dasPrädicat, wenn es durch das Subject bedingt ist, nur angedeutet zu werdenbraucht, bezogen (H. Gr. S. 218). Auch hier entstand gegenüber der früherschon angewendeten Klangkürzung ein diese theilweise ganz ausschließenderGrundsatz, anderseits aber auch eine bis dahin mangelnde theoretischeBegründung des freien Kürzungsverfahrens, welches schon Byromvorschwebte, von Gabelsberger aber nicht nur entdeckt, sondern auch so ent-schieden durchgeführt wurde, dass Prof. Oppermann behauptete, er habe damitseinem System die Überlegenheit über alle anderen für alle Zeit gesichert.

Brede's Gedanke, die Vocale durch verschiedene Stellung der Con-sonanten auszudrücken, war inzwischen von dem Schreiblehrer Xaver Billharzin Biel aufgenommen und insoweit fortgebildet worden, dass dieser nicht dasWort in Silben zerriss, sondern in Stammsilben und Formsilben trennte,von denen nur die ersteren die Vocalstellung, die letzteren aber eigene kurzeZeichen erhielten (H. Gr. S. 279/80).

Dieses System war der Funke, der in August Wilhelm Stolze's Geistedas lange gesuchte Licht entzündete. Stolze hatte schon 1820 das Mosen-geil'sche System kennen gelernt, seither alle Erscheinungen auf dem steno-graphischen Gebiete verfolgt, und sich auch mit Gabelsberger's Anleitungernst beschäftigt, aber nichts gefunden, was die ihm vorschwebende ein-heitlicheVerbindung des VocalsmitdemConsonantenzeichenzu gleichmäßigem Ausdruck gebracht hätte. Kaum war Billharz'System nach Berlin gekommen, so fieng Stolze an, sein Gebäude der Steno-graphie aufzubauen. Die geometrischen Zeichen des Billharz gefielen ihmnicht, er wählte dafür solche cursiver Art, wie sie Gabelsberger aufgestellthatte, nur verwarf er die Zeichen mit Unterlängen, da diesen die für die Vocal-bezeichnung erforderliche Beweglichkeit mangelt, und nahm dafür Zeichenin vier verschiedenen Größen (halb-, ein-, zwei- dreistufige), die sieben Vocal-stufen des Billharz vereinfachte er auf drei, indem er durch die Verstärkungder Zeichen, enge und weite Verbindung und endlich durch eine Doppel-stellung (Anlaut auf der Zeile, Auslaut unter derselben) die nöthigen Vocal-symbole erwarb. Es wäre höchst ungerecht, Stolze daraus einen Vorwurf zumachen, dass er Ideen seiner Vorgänger verwendete; der Fortschritt beruhtnicht auf Schöpfungen, sondern auf Entwicklung, Sc hrift zeichenkönnenüberhaupt nicht erfunden, sondern nur entlehnt werden, sei esaus geometrischen Formen, sei es aus den Theilzügen der Currentschrift, undso ist auch Gabelsberger trotz seiner Unkenntnis der Systeme von dem Vorwurfdes Plagiats nicht verschont geblieben (s. o. S. 71). Dadurch, dass Stolzean Stelle der geometrischen Zeichen des Billharz die cursiven Schriftformenverwendete, welche Gabelsberger gebrauchte, und dadurch, dass diese beidenSysteme in Deutschland große Verbreitung fanden, ist die cursive Steno-graphie die deutsche Stenographie geworden. Hätte Stolze diegeometrischen Zeichen beibehalten, so hätte sich höchst wahrscheinlich auch