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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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71
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Deutsche Stenographie. 71

wie 1 : 2 verhielt. Die Verleihung der Verfassung 1818 spornte seinen Eiferan und seine Schriftprobe von diesem Jahre zeigt mit Ausnahme von dreiZeichen das 1834 veröffentlichte Alphabet. Gabelsberger behauptete, dass er»sein Eigenes« neunmal verworfen habe, ehe er sich damit nur einigermassenzufrieden gab, und man hat daraus gefolgert, dass er Jahre lang an seinemAlphabet gearbeitet habe. Die Schriftproben beweisen jedoch, dass seinAlphabet innerhalb eines Jahres entstand. Anderseits hat Guinin1882 im »Shorthand« nachzuweisen versucht, dass Gabelsberger sein Systemvon Oxley entlehnt habe, dessen Zeichen sich, wenn auch in anderer Be-deutung, bei Gabelsberger wiederfinden:

Oxley: a b d f g hihi m n r s v w shGabelsb.: m r s k seh p i g s ch o di t ff o xHätte aber Gabelsberger das System Oxley's gekannt, so würde er auchdessen Zeichen für y und p schon 1819 verwendet haben, da er sie alseinfachere Zeichen später für iv und pf verwendete. Mehrere Zeichen von1818 kamen schon in der Schriftprobe von 1817, welche keine Spur einerKenntnis stenographischer Schriften zeigt (l als a, in als r, p als l) vor, undman kann daher Gabelsberger's Versicherung, dass er vor Aufstellung seinesSystems keine Stenographie gekannt habe, Glauben schenken, ohne darinein besonderes Verdienst zu erblicken. Übrigens dürfte sich Gabelsberger ineiner Gedächtnistäuschung befunden haben, wenn er die 1834 veröffentlichteTheorie seiner Zeichen dem ersten Alphabet schon zu Grunde legte, dennnach dieser Theorie müssten die Zeichen für p und w schon 1818 vorhandengewesen sein, was nicht der Fall ist. Noch in dieser Schriftprobe hat seineStenographie das Aussehen einer vereinfachten Currentschrift und verhieltsich zu dieser, wie 1:3, sie stand also den damaligen deutschenStenographiesystemen an Kürze weit nach, auch ihre Verbindungs-fähigkeit ließ zu wünschen übrig, denn von 19 Wörtern sind nur 10 in einemZug geschrieben und in dem Worte »herbeigeführt« ist sechsmal abgesetzt (H.Gr. S. 214). Was aber seiner Schrift an Kürze fehlte, ersetzte die Schnelligkeitseiner Hand. Die mit ihm vorgenommene Probe fiel zur Zufriedenheit aus under wurde als Stenograph in der Kammer der Reichsräthe verwendet, währendein Student der Medicin, namens Müller, die Verhandlungen der Kammerder Abgeordneten mit Currentschrift aufnahm. Berthold hatte sich nichtals Stenograph gemeldet, doch sind die Folgerungen, welche Gabelsbergerdaraus für die Verwendbarkeit des Systems zog, nicht zutreffend; auchGabelsberger's erster Schüler und Gehilfe entsprach den Anforderungennicht, jedes Werkzeug braucht einen Meister, der es zu handhaben versteht.Ein solcher Meister war Gabelsberger, der zugleich unablässig bemüht war,seine Schrift kürzer und flüssiger zu gestalten. In dieser Beziehung war ereinerseits bestrebt, die todten Bindestriche zu vermeiden, wie dies auch Eoegethan hatte (s. o. S. 43); anderseits wurde er durch Leichtlen angeregt, auchandere Systeme kennen zu lernen und daraus Nutzen zu ziehen. Die sym-bolische Vocalbezeichnung, welche er in den zwanziger Jahren anzuwendenanfieng, dürfte wohl die Anregung aus der englischen Stenographie erhaltenhaben, doch wusste sie Gabelsberger besser zu gestalten: statt wie beiGumey den Zeichen getrennte Stellungen zu geben, behielt er die Ver-bindung auch bei der Veränderung der Stellung bei und vereinigte dadurcheine oroße Kürze mit großer Deutlichkeit. Eine andauernde Geistesthätigkeitverwendete er auf die Kürzung der Wörter und Sätze, in welcher Beziehunger alle bisherigen Systeme übertraf. So gelang es ihm, seiner Schrift eineKürze zu geben, welche sich zur Currentschrift wie 1: 5 verhielt. Im Jahre