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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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jo Die Stenographie im 19. Jahrhundert.

Im Jahre 1827 veröffentlichte die Illustrierte Zeitung eine von dem be-rühmten Schachspieler J. Brede erdachte Kurzschrift, bei welcher die Vocaledurch die Stellung der C onson an ten bezeichnet wurden (1826 hattein England Williams dieselbe Theorie aufgestellt). Brede schrieb Silben, wieCoulon de TMvenot, aber während dieser Vocalzeichen bedurfte, konnte sieBrede entbehren, da er durch natürliche Größe der Consonantenzeichen dennachlautenden, durch halbe Größe den anlautenden Vocal bezeichnete (H. Gr.S. 278). Bei den vielsilbigen deutschen Wörtern macht jedoch diese Silben-schrift keinen günstigen Eindruck.

Der Philosophieprofessor Dr. Theodor Thon, welcher bereits seit 1809die Stenographie betrieben hatte und zu vervollkommnen bestrebt war, woriner von einem gewissen Christian Streber, der ein Schüler Bertin's in Parisgewesen war, unterstützt wurde, entwarf 1810 ein System, welches ihm beiseinen Arbeiten gute Dienste geleistet haben soll. Durch Mosengeil, welcherihm 1816 sein neues System brieflich mittheilte, wurde er zu manchen Ab-änderungen veranlasst, worauf er 1825 einen kurzen Abriss seines Systems inseiner »Biometrie« als ein Mittel zur Zeitersparnis veröffentlichte. SeineSchrift unterscheidet sich wenig von der Horstig'schen (H. Gr. S. 194). ImJahre 1827 bereitete er seine Vorlesungen über Stenographie durch ein Pro-gramm über den Nutzen dieser Kunst besonders für Studierende vor.

J. Nowak, ein Wiener, verbesserte Horstig's System dadurch, dass erfür jeden Laut ein eigenes Zeichen aufstellte, auch vermehrte er die Sigelbeträchtlich. In der zweiten Auflage (1834) schrieb er die Zeichen fein undschräg, doch ist eine Entlehnung von Gabelsberger hierbei nicht anzunehmen,da letzterer sein System erst in diesem Jahre veröffentlichte und frühergeheim hielt. Erst in der dritten Auflage findet man in Nowak's Werke An-lehnungen an Gabelsberger, sowohl in der Gestalt des n, als in dem Ver-suche, die Vocale mit den Consonantenzeichen zu verbinden und selbst sym-bolisch auszudrücken (H. Gr. S. 195). Nowak's System hat sich auf demLandtage zu Pressburg und in Wien bei mehreren Gesellschaften als ver-wendbar zur Aufnahme schneller Reden bewährt.

Auch Professor /. Ineichen, der 1831 ein Lehrbuch nach Horstig ver-öffentlichte und diese Stenographie an der Cantonschule zu Luzernlehrte, hat den Beweis geliefert, dass die Horstig'sche Stenographiezur Aufnahme schneller Reden vollkommen geeignet war.Er arbeitete als Stenograph des Großen Rathes zu Luzern und sein steno-graphischer Bericht über die Sitzung vom 9. September 1842, in welcherüber die Berufung der Jesuiten an die Schulen Luzerns verhandelt wurde,erlebte zwei Auflagen. Um dieselbe Zeit nahm der spätere Regierungsrathund Polizeidirector Benz mit dem Bauaufseher Gimpert die Verhandlungendes Großen Rathes in Zürich auf und der Civilsecretär des Züricher Ober-gerichts, Schuppt, stenographierte nach Nowak's System. 1830 erschien voneinem Ungenannten eine Stenographie nach Heim in Tübingen und 1831eine solche nach Horstig in München.

Eine neue Richtung eröffnete die 1834 erschienene »Anleitung zurdeutschen Redezeichenkunst oder Stenographie« von F. X. Gabelsberger inMünchen. Derselbe hatte als junger Staatsbeamter 1817 den Gedanken er-fasst, eine Schnellschrift zu erfinden, um die Dictate seiner Vorgesetzten»gleich vom Munde weg aufzunehmen«. Da er sich mit Lithographie undKryptographie beschäftigt hatte, so versuchte er die Theilzüge der Current-schrift als Zeichen der Kurzschrift zu verwenden. Seine erste Schriftprobevon 1817 zeigte eine vereinfachte Cursivschrift, welche sich zur Currentschrift