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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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Deutsche Stenographie. 69

wieder veröffentlicht, 1857 von dem Pfarrer Joh. Ev. Fischbäck in Gosau,es fand jedoch auch diesmal keine Beachtung. Ein Ungenannter (er sollHesse geheissen haben) widmete 1817 dem Prinzen Leopold von Sachsen-Coburg eine Übertragung des Byrom'schen Systems auf die deutsche Sprache;dieses Werk war bis auf die jüngste Zeit unbekannt.

An den deutschen Universitäten wurde mit Currentschrift nachgeschrieben.Prof. Petri in Fulda veröffentlichte 1806 eine Zusammenstellung von current-schriftlichen Abkürzungen, ein Ungenannter in Jena 1814 und Dr. Gerbodein Göttingen 1828 zeigten den Universätshörern, wie man sich in der Current-schrift noch weiter gehender Abkürzungen bedienen könne (H. Gr. S. 296).

Daneben hatten Mosengeil und Horstig einige Anhänger gefunden. DerProfessor Reischl lehrte Mosengeil's Stenographie im erzbischöflichenPriesterseminar zu Salzburg, verbesserte sie in einigen Zeichen undfügte ihr Vocalzeichen hinzu, um fremde Wörter und gelehrte Ausdrückegenau wiederzugeben (H. Gr. S. 188). Der baierische Oberlieutenant J. G.Berthold verbesserte Mosengeil's Alphabet nach dem Grundsatze, dass diehäufigst vorkommenden Zeichen die einfachsten Laute erhielten. Seine Steno-graphie wurde von dem preußischen Feldmesser /. F. Stärk in Berlin, nurunwesentlich verändert, veröffentlicht, und wenn diesem von der preußischenRegierung nebst einer Gratification das Lob zu Theil wurde, dass seineStenographie durch ihre Leichtigkeit sich vor allen früheren Methodenempfehle, so gebürt dieses Lob jedenfalls mehr der Berthold'schen (H. Gr.S. 189). Stärk's Buch erlebte nach 7 Jahren eine zweite Auflage.

Inzwischen hatte Mosengeil selbst sein System nach Horstig's Grund-sätzen umgearbeitet, wobei er rühmend hervorhob, dass Horstig die Einrin-gelung der Zeichen vermied und dem Kreise einen selbständigen Lautwert gab(H. Gr. S. 192). Er selbst hatte sich 1819 zur Veröffentlichung seiner neuenArbeit in der Hoffnung entschlossen, dass die Einführung der Landtage inmehreren deutschen Staaten der Stenographie in Deutschland praktische Ver-wendung gewähren werde. Aus demselben Grunde verfasste der Pfarrer Heimim Kloster Reichenbach im Schwarzwalde 1819 ein Lehrbuch der Horstig'schenStenographie, welche er als Student von einem Norddeutschen ohne Lehrbucherlernt hatte, woraus seine geringen Abweichungen von Horstig zu er-klären sind. Die Zahl der Sigel verminderte er auf 10 und begründete dies,

In demselben Jahre (1819) veröffentlichte der badische ArchivrathLeichtlen, nachdem er die deutschen und die hervorragendsten stenogra-phischen Werke des Auslandes studiert hatte, eine System, welches eine vonder bisherigen ganz verschiedene Auftheilung der Zeichen aufwies und vieleSigel enthielt, wodurch die Schrift das Verhältnis zur Currentschrift wie1 : 5, somit die größte bisherige Kürze erreichte (H. Gr. S. 202).

Während diese Systeme den englischen Vorbildern folgten, bildete derkgl. Leibarzt Dr. Erdmann in Dresden 1826 ein Alphabet aus der geradenLinie in vier Richtungen und fünf Stellungen, wozu noch als Vocale Punktein fünf Stellungen traten. Einen ähnlichen Gedanken hatte zwar schon 1801der Franzose Honor& Blanc durchgeführt, da dieser aber die senkrechteLinie und die beiden Halbkreise in acht Stellungen verwendete, so ist kaumanzunehmen, dass diese Schrift Erdmann bekannt war. Ventris in Englandhat Erdmann's Alphabet in seinem »Stenographic Standard« einen Platzneben den Systemen von Gurney, Byrom, Taylor und Mavor eingeräumt(s. o. S. 54) und Dr. Geijsbeek wendete es 1827 auf die niederländische Sprachean. Eine ähnliche Schrift erschien 1831 unter dem Pseudonym Lady Scott in.Wien (H. Gr. S. 277/278).