48 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
Um diese zu beseitigen, hätte ein einfacheres System auftreten müssen,als das Gabelsberger'sche, welches 1860 von Adolf Geiger auf die englischeSprache angewendet wurde (H. Gr. S. 160) und selbst dann noch wäre derKampf mit den englischen Vorurtheilen schwer gewesen. Auch die Reclame,welche Charles Mayr 1882 in Springneid, Mass., anwendete (»Universal-Recht -schreibungs-Kurzschrift, Stenographie. Leicht! deutlich! schnell! Ausschließ-lich verwendet bei 150 Millionen Gebildeter, geschrieben in 25 Sprachen,angewendet in einigen 30 größeren und kleineren Parlamenten«, vgl. die Litte-ratur), blieb ebenso erfolglos, wie die neuere Bearbeitung von H. Richter(1888), deren Grundzüge in die Historische Grammatik der Stenographie nichtaufgenommen werden konnten, weil H. Richter es sich entschieden verbetenhatte, dass der Inhalt seines Buches auf eine Seite zusammengedrängt würde.1882 wurde in Amerika die Gabelsberger'sche Stenographie nur von Mayr ineinem Curse gelehrt, 1892 bestanden 12 Curse, theils nach Geiger, theils nachRichter, theils nach Mayr, aber unter den Lehrern findet man nur einen eng-lischen Namen. Es scheint daher, dass die Gabelsbergersche Stenographie inden Ländern englischer Zunge nur von den Deutschen gepflegt wirdund dass sie dort den Nimbus, der sie in Deutschland umgibt, gänzlich ver-loren hat. Nicht besser erging es dem Stolze'schen System, dessen Über-tragung Dr. Michaelis 1S63 ausführte, obgleich es in einer neuen Bear-beitung von Dettmann propagiert wurde (H. Gr. S. 174), es wurde 1882 inNew-York von dem dortigen Stenographenverein gelehrt, 1892 fehlt es indem Verzeichnis ganz. Das Lehmann'sche System wurde 1892 in 2 Cursenin Amerika gelehrt.
Der Engländer /. Thompson bildete 1863 aus Stolzes System eineeinzeilige Stenographie (H. Gr. S. 161), welche er als Phonographyveröffentlichte, ohne damit Anklang zu finden. In neuerer Zeit wurden mehrereVersuche cursiver Stenographie gemacht. Jos. Benj. Rundell, welchersein System 1883 der Shorthand Society vorlegte, dasselbe 1885 veröffent-lichte und in den Kindergärten einzuführen suchte, verbindet die Vocale alsgerade und gebogene Striche mit den Consonanten, die dreistufig stark undschwach geschrieben werden. George Carl Mares, welcher trotz seines Namensweder Deutscher noch deutscher Abkunft sein soll, bezeichnete seine Schriftals Script geometrical Shorthand, weil seine Zeichen, obwohl cursiver Natur,auf geometrischen Formen begründet sind. D. J. Davies, ein Dissentergeist-licher, veröffentlichte 1887 eine Sonography oder Longhand-Shorthand, eineCursivschrift mit verbundenen Vocalzeichen, er warf Pitman, der Conso-nanten ohne Vocale schreibe, vor, er habe ein Haus ohne Mörtel, einen Palastohne Fenster gebaut. Kingsford gab 1888 die »Oxford Shorthand«, eine Schriftmit Vocalverbindung heraus, welche in 6 Auflagen erschienen ist und vonder Oxforder Shorthand-Society verbreitet wird. Thomas Strafford gab imselben Jahre zu Glasgow eine Script-Phonographie als Königin der Kurz-schriften heraus, in welcher die Vocale durch Haken und Kreise bezeichnetwerden, sie hat ein von der deutschen Stenographie verschiedenes Ansehenund wird von eifrigen Anhängern verbreitet. Gregg's Lightline Phonography(1888) muss eine Duploye'sche Stenographie sein, denn Malonc, welcher letztereveröffentlichte, strengte einen Process gegen Gregg an. Callendar, welcherdas »Cambridge-System« herausgab, eine cursive Kurzschrift mit verbundenenVocalen ohne Unterscheidung von dick und dünn, hat ausgerechnet, wie vielunnütze Zeit mit dem Einsetzen von Punkten verloren gehe. Mogford's Script-system ist auf geometrischen Formen gebaut, welche allmählich in die cur-sive Form übergehen. Endlich hat Dr. Westby-Gibson 1883 eine Probe einer