Englische Stenographie. 47
Die Unterschiede dieser Systeme sind gering, man muss sie förmlich aufsuchen,um sie zu finden. Mwnson setzt die Wörter mit Vocalen der ersten Reihe über dieZeile, jene mit Vocalen der dritten Reihe unter dieselbe. Marsh nahm die Posi-tion Munson's, aber die Vocalreihe Graham's, welche der ersten von Pitmanaufgegebenen entspricht (H. Gr. S. 120—124). Alles dies waren Amerikaner.
Aber auch in England fand Pitman Abänderer. 1862 trennte sich EdwardJames Jones, der 18 Jahre lang sein Anhänger und Mitarbeiter gewesen war,von ihm, um ein neues System aufzustellen, in welchem es nur zwei Vocalstellen,gibt und eine Umwandlung des Alphabets sich bemerkbar macht (H. Gr. S. 121).In demselben Jahre veröffentlichte F. Forster (Redfern) ein System mit ver-tauschten Pitmanzeichen und besonderen Zeichen für jeden Vocal, um die ver-schiedene Stellung überflüssig zu machen (H. Gr. S. 123). Ein anderes Systemin gleicher Einrichtung stellte James Madison Allen 1872 in Ancora auf, undJames Williams zu Pontypridd, der 12 Jahre Lehrer der Pitman'schen Steno-graphie war, 1878 (H. Gr. S. 124/125).
Alexander Melville Bell, Mitglied der kgl. schottischen Akademie, beganndie Reihe der sogenannten lesbaren Phonographien ohne Vocalbezeich-nung, indem er durch dreifache Größe der Consonanten andeutete, ob einVocal vor, nach oder gar nicht zu lesen war. Dadurch, dass er die Form-wörter klein über oder unter die Begriffswörter schrieb, führte er einen ähn-lichen Gedanken, wie der Deutsche Stolze aus, die grammatikalische Glie-derung der Worte schon in der Schrift zum Ausdruck zu bringen (H. Gr. S. 128),Sein S3'stem ist von der Akademie gekrönt, vom Verfasser in einer Reihe vonSchriften dargelegt worden, aber nachhaltigen Eindruck hat es nicht gemacht.Dasselbe gilt von dem gleichen Versuche Edward PocknelVs, der sich alsForscher auf dem Gebiete der Geschichte der Stenographie einen guten Namengemacht hat und der die Lesbarkeit ohne Vocale dadurch erreichen wollte,dass er die Zeichen gerade, nach unten oder nach oben gebogen, gebrauchte,um anzuzeigen, ob die Vocale gar nicht, ob sie vor- oder nachlauteten. Umdie nöthige Anzahl einfacher Zeichen aufzubringen, gab er diesen eine drei-fache Größe, z. B. einstufig /, zweistufig t, dreistufig d, verstärkt galten dieseZeichen für ng und th, hieran schlössen sich Consonantenverbindungen undder Gebrauch aller Zeichen für Sigel, um ein sehr compliciertes System zubilden (H. Gr. S. 129).
Eine andere Richtung, aber ebenfalls auf Pitman'scher Grundlage,schlugen D. F. Lindsley 1864, W. M. Williams 1867, James Richardson 1878ein, indem sie kleine Zeichen für Vocale aufstellten und diese mit den grö-ßeren Consonantenzeichen in einem Zuge verbanden. Auf diese Weise wurdenstenographische Vollschriften geschaffen, welche einen wirklichenFortschritt bezeichneten (H. Gr. S. 146, 148, 152).
Während diese Pitman's Vocalbezeichnung zu verbessern suchten, bean-ständeten andere seine Consonantenzeichen, insbesondere den Unterschied zwi-schen starken und weichen Lauten durch feine und dickere Formen. Guest1882 wendet Zeichen in dreifacher Größe an, Barter 1883 gebrauchte fürstarke Laute kleinere, für weiche größere Zeichen (wobei natürlich die Pit-man'sche ^-Bezeichnung entfiel), Armitage 1884, der gleichfalls dreistufigeZeichen anwendete, gab den schwachen Lauten die ausgebogenen Zeichender starken. Alle diese und viele andere hier nicht aufgeführte Systemestanden unter dem geistigen Einflüsse Pitman's und seiner geometrischenZeichen, denen auch die Anhänger Taylors und Gurney's huldigten,alle diese zeigten eine Abneigung gegen eine cursive Stenographie, welcherTh. A. Reed einen entschiedenen Ausdruck gab (s. S. 43).