46 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
ausgäbe (jedenfalls wurden diese Auflagen nebeneinander verkauft). In der7. Auflage wurden Schleifen für st und str eingeführt, Finalhaken für r und lwurden in solche für -n und -tion geändert. In der 9. Auflage (1852) wurdeunter anderem die Verlängerung für thr eingeführt, 1857 wurden die Vocaleiea in aci verändert, in der II. Auflage (1862) wurden andere Zeichenfür y und w eingeführt u. s. w. Diese Änderungen waren seinen Anhängernnicht angenehm und Th. A. Reed erklärte 1862: »Wenn kein fester Halt ge-boten ist gegen unbedeutende Änderungen, so werden die Phonographen gegenderen jährliche Wiederkehr nicht sicher sein. Wie die Sache jetzt steht, kennenwir viele ausgezeichnete Praktiker, die nicht im Stande sind, einer des an-deren Schrift zu entziffern infolge der Verschiedenheit des Stils, in welchemsie schreiben.« In der 12. Auflage (1867) sagte Pitman: »Wir haben dasganze stenographische Material aufgebraucht und, wie wir das System gut zukennen glauben, in der besten Weise. Wenn jemand etwas neues vorbringenkann, Zeichen, Haken, Kreise, gerade oder gebogene Striche in irgend einerRichtung, welche noch nicht in der Stenographie angewendet sind, so werdenwir ihn hören; aber so lange so etwas nicht aufgetreten ist, werden wir nichtsändern.« Dennoch wurden 1884 und 1887 noch einige kleine Änderungenvorgenommen.
Schon früh begnügte sich Pitman nicht mit der genauen lautlichenSchreibung in der Kurzschrift, er wollte eine solche auch in der Current-schrift einführen und ergänzte das currentschriftliche Abc durch entspre-chende Lautzeichen, um so jeden Laut durch ein bestimmtes Zeichen auszu-drücken ; dies war die Spelling-Reform. Sie gewann ihm die Gunst der Ge-lehrten, Professor Max Müller übernahm das Präsidium der Phonetic-Societyund Alexander John Ellis gab der 7. Auflage des Pitman'schen Lehrbucheseinen Anhang mit einer Anwendung der Phonographie auf fremde Sprachenbei. Mit der Spelling-Reform wurden in den Sonntagsschulen beim Lese- undSchreibunterricht die günstigsten Erfolge erzielt, doch ist sie über den Schul-unterricht noch nicht hinausgedrungen, wenn auch Pitman bei dem erstenInternationalen Stenographen-Congress in London (1888) seiner Überzeugungvon der endlichen Abschaffung der willkürlichen englischen Orthographie denentschiedensten Ausdruck gegeben hat.
In Amerika waren um diese Zeit die Systeme von Gurney und Taylorim Gebrauch, am beliebtesten waren die Lehrbücher von Gould (1823—1860),welche auf Taylor's System beruhten. Durch Stephan Pearl Andrews wurde1844 das Pitman'sche System in den Vereinigten Staaten bekannt, 1846 verröffentlichte dieser mit Augustus French Boyle das »American PhonographieJournal« in stenographischer Schrift und den »Anglo-Saxon« in phonetischenTypen, um die Spelling-Reform auch in Amerika einzubürgern. Auch hierfand Pitman's System soviel Beifall, dass 1851 in Philadelphia schon 6000Personen in der Phonographie unterrichtet gewesen sein sollen. I. Pitmanschickte 1852 seinen Bruder Benn nach Amerika, um dem Nachdruck derBücher durch selbständige Ausgaben zu steuern, ein anderer Bruder Jakobging zu gleichem Zwecke nach Australien.
Wenn I. Pitman geglaubt hatte, durch fortwährendes Feilen an seinemSystem dasselbe einwurfsfrei zu machen, so hatte er sich geirrt; wer etwasneues bieten wollte, brauchte sich gar nicht den Kopf anzustrengen, er konnteauch auf das zurückgehen, was der Meister verworfen hatte, um dasselbe alsetwas Eigenartiges herauszugeben. So schuf Andrew J. Graham die »Ameri-kanische Phonographie«, 1854, so entstanden die Systeme von James E.Munson 1866, von Marsh 1868, Burnz 1870, Osgoodby 1884, Longley 1879.