Englische Stenographie. *■>
strebungen beriefen sich auf die Treffsicherheit der Klavierspieler; doch geltenTaylor's Bedenken gegen die Stellung der Vocalpunkte hier in vermehrtemGrade. Richardson's Buch erlebte 5 Auflagen. Henshaw gab 1831 ein ver-bessertes Richardson'sches System heraus. Dieselbe Richtung verfolgtenHinton 1826 und Tear 1834, welcher letztere die Position auf 84 Stellenerhöhte (H. Gr. S. 176—180), doch hat man nicht vernommen, dass die prak-tischen Stenographen, für welche diese Systeme ausschließend berechnet waren,von denselben Gebrauch gemacht hätten, vielmehr haben dieselben dasTaylor'sche System, wie bereits erwähnt, bis zur Gegenwart angewendet.
Der Versuch mit cursiver Stenographie wurde 1802 von RichardRoe erneuert. Dem gegen die cursive Stenographie erhobenen Vorwurf, dasssie todte (nicht lautende) Striche als Verbindungen benöthige, suchte Roedadurch zu begegnen, dass er die Zeichen häufig in einander übergehen ließ(dieselben verschmolz). Seine Schrift verhält sich zur Currentschrift wie I '■'i 1 ]^(H. Gr. S. 157). Die cursive Stenographie stieß in England auf große Vor-urtheile. Lewis sagte, mit diesen Zeichen könne man nicht halb so schnellschreiben als mit den geometrischen, die Unbequemlichkeit der Verbindungwiege die Vortheile auf, welche die schräge Lage der Buchstaben biete, unddie Ähnlichkeit mit der gewöhnlichen Schrift belaste das Gedächtnis, ver-wirre den Geist und beeinträchtige die gewöhnliche Schrift; Levy begnügtesich damit, die Idee Roe's seltsam zu finden; Recd sagte, die Cursivschriftsei, wenn nicht eine Abscheulichkeit, jedenfalls eine sehr unvollkommeneMethode, verglichen mit den Systemen, welche in England allgemein ge-braucht werden; dagegen stellte Anderson in einem Vortrage »über die wahreTheorie der Kurzschrift«, den er 1882 in der Shorthand Society hielt, alszweiten Grundsatz einer guten Stenographie auf, ihre Zeichen müssten cursivsein und wies darauf hin, dass die cursive Form sich in der Gurrentschrift alsnatürliche Folge der Schreibflüchtigkeit entwickelt habe. Es hat auch bis indie jüngste Zeit in England nicht an Versuchen gefehlt, die cursive Schrift indie Stenographie einzuführen. Bis 1840 erschienen: James Adams 1814, vondem Dr. Westby-Gibson annimmt, dass er sein System noch vor Roe gebildethabe, indem er schon 1803 einen Process aufnahm und veröffentlichte, ThomasOxley 1816, Henry Upington 1825, Jasper und John Aitchison 1832 (vondem System Edmonds, welches 1832 erschien, behauptet Dr. Westby-Gibson,seine Beispiele hätten eine große Ähnlichkeit mit denen von Gabelsbergerund Stolze, obwohl er es nicht unter den cursiven Stenographien erwähnt),Daniel Cadman 1835, J. Clarke 1840 (H. Gr. S. 158 ff.).
Der Geschichtschreiber der englischen Stenographie, James Lewis, ver-öffentlichte 1815 ein Lehrbuch, welches 89 Auflagen erlebte, gleichwohlaber keine Spur großer Verbreitung hinterlassen hat; es wird von einzelnenStenographen in England gebraucht, in Amerika aber in keinem einzigenKurse gelehrt. Lewis rühmte seine Schrift als kürzer denn jede andere undzwar im Verhältnis von 2:3 (man könne in 40 Minuten soviel schreiben, alsin einer Stunde' mit irgend einer anderen), sie setze jeden, der kaum seinenNamen in Currentschrift schreiben könne, in den_Stand, jede Rede wörtlichniederzuschreiben und sicher wiederzulesen (!). Über seine Zeichen ist zubemerken, dass er das Ringelchen als eigenes Zeichen (s) verwendete, Vocal-zeichen über die Wörter schrieb, endlich Zeichen für Consonantenverbindungenaufstellte, welche aber nicht aus den Elementen der Lautzeichen gebildet sind(das alles wurde schon vor ihm von den deutschen Stenographen Mosengeilund Horstig angewendet, vgl. S. 37), die Abkürzungen sind willkürlich.Seine Unterrichtsmethode war geschickt, er liess zuerst die Buchstaben unver-