Die Stenographie im iS. Jahrhundert. 37
der Stenographie ist. J. W. v. Archenholz erzählt 1787 in seinem Buche:»England und Italien« von den englischen Zeitungsberichterstattern und Nr. 59des Intelligenzblattes der Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung enthält eineAnzeige von Coulon de ThSvcnot's Almanach tachygraphique.
Alfred Junge, dem diese interessanten Nachrichten entnommen sind(s. S. 7), fand in Zeibig's »Geschichte und Litteratur der Geschwindschreib-kunst« auch ein Buch von Vernaleken: »Kurzes stenographisches Wörter-buch«, 12°, Wien 1769, angeführt. In Folge eingeholter Auiklärungen änderteer die Jahreszahl in 1869, aber zufällig ist Prof. Vernaleken kein Stenograph,vielmehr ein Gegner der Stenographie, von der er eine Schädigung derOrthographie befürchtete und das 1869 von ihm herausgegebene Wörterbuchwar ein orthographisches. So boshaft kann ein Druckfehler sein!
Im Februar 1796 veröffentlichte Bitschendorf in seinem »Journal fürFabrik, Manufactur, Handlung und Mode« einen Aufsatz: »Von der Steno-graphie oder Kurzschrift«, worin er die Aufmerksamkeit auf den Nutzen derStenographie lenkte und auf einer Kupfertafel das System von Rees vor-führte, das er aber weder für vollkommen, noch für vorzugsweise anwendbarauf die deutsche Sprache erklärte.
Noch im selben Jahre veröffentlichte Friedrich Mosengeil, welcher dieTaylor-Bertin 'sehe Stenographie kennen gelernt hatte, in Eisenach eine An-leitung, von der 1797 ein Neudruck und 1799 eine neue Auflage erschien.Mosengeil gab Taylors Zeichen eine ganz veränderte Lautbedeutuno-, denVocalen eine größere Unterscheidung und stellte für die zusammengesetzteConsonanz eigene Zeichen auf, die aber ohne Unterscheiduno- des Nach-lautes gebraucht wurden, daher dasselbe Zeichen für pf bl, br, bs, bt, bst, bsch;Einbiegungen am Ende der Zeichen dienten für Nachsilben, die Zeichen derConsonanzen ohne Rücksicht auf den Lautwert für Hilfszeitwörter (H. Gr.S. 186). Dadurch wurde sein System verwickelter als das Original, dochverhält sich seine Schrift zur Currentschrift wie I : 4.
Der Gonsistorialrath K. G. Horstig stellte 1797 ein System auf, welchesnoch im selben Jahre eine zweite Auflage erlebte. Er hatte schon vor Buschen-dorf's Aufsatz über eine Verkürzung der Schriftzeichen nachgedacht, Mosen-geil's Buch scheint seine Gedanken zur Reife gebracht zu haben, aber dieRingelchen der TayZor'schen Schrift missfielen ihm und so stellte er einAlphabet einfacherer Zeichen auf, wobei der Kreis ein selbständiges Laut-zeichen wurde. Auch den Vocalen gab er eigene Zeichen zum Über- oderUntersetzen, aber nur für Eigennamen. Die Laute t, d, p, b erhielten das-selbe Zeichen, fw,h ch, gk unterscheiden sich durch verschiedene Größen.Einige häufig vorkommende Wörter erhielten eigene Schreibweisen und Ab-kürzungen. Einer theologischen Marotte folgend, glaubte Horstig den natür-lichen Druck, wie beim Hebräischen, in die Querstriche legen zu müssen,dadurch erscheint seine Schrift handwidrig, aber sie ist sehr einfach und ebensokurz wie die Mosengeil'sche (H. Gr. S. 190).
Das Taylor'sche System soll noch von Penzenkufer (1787 und 1798)und von Stoll übertragen worden sein, wie Klilber in seiner Krypto-graphik angibt, doch scheinen diese Übertragungen nicht veröffentlichtworden zu sein,
Im »Mysterienbuch« 1797 wurde eine Stenographie veröffentlicht, welchefünfmal kürzer sei als die Currentschrift, in Wahrheit aber zu dieser sichkaum wie 1 :3 verhält (H. Gr. S. 207). Doch ist diese Arbeit sehr beachtens-wert, da sie eine Vollschrift mit buchstäblicher Vocalbezeich-nung bietet und die doppelte Schreibung von Doppelconsonanten Unbekannt-