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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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Die Stenographie im IS. Jahrhundert. 3^

passt war, denn während die Engländer die Vocale vernachlässigen, werdendiese gerade von den Franzosen bevorzugt. Coulon stellte nur solche Con-sonantenzeichen auf, welche einen senkrechten oder wagerechten Auslaufhaben, an den sich die Vocalzeichen anschließen, dadurch entsteht eineSilbenschrift, aber zugleich eine große Deutlichkeit. Um möglichst viel ein-fache. Zeichen zu gewinnen, verwendete er solche in zwei Größen. Die Ab-kürzungen fanden nach Art der currentschriftlichen Abbreviaturen statt,seine Stenographie verhielt sich zur Currentschrift wie I : 4 (H. Gr. S. 314).Das System wurde 1787 von der Academie geprüft und empfohlen. Der vonVandermonde, Le Roy, Cousin und Condorcet unterzeichnete Bericht stellte9 Grundsätze einer guten Kurzschrift auf, welche sich an Coulon's Systemanschließen, wobei man jedoch in der Behauptung, dass die beste Kurz-schrift für eine Sprache wegen des Häufigkeitsverhältnisses der Laute fürandere Sprachen nicht geeignet sei, zu weit gieng. Dem entgegen übertrugTheodore Pierre Bertin 1792 die Taylor'sche Stenographie auf die franzö-sische Sprache, deren Geiste er nur die Concession machte, für die aus-lautenden Vocale besondere Zeichen aufzustellen. M. Montigny, Mitgliedder Akademie der Wissenschaften, führte in der Taylor'schen Schrift dievolle Vocalbezeichnung durch, wobei die Vocalzeichen über oder unter dieWörter gesetzt wurden. Andrien Pront, auf Coulon'sche Grundsätze bauend,wollte 1797 eine neue Schrift einführen, welche die Currentschrift vollständigersetzen sollte, und für welche er eigene Drucklettern hatte anfertigen lassen.Indem er aber die Orthographie der Currentschrift beibehielt, war seineSchrift zu schwerfällig für das Nachschreiben von Reden geworden und soblieb der ebenso kühne als kostspielige Versuch erfolglos.

Als die Generalstaaten zusammentraten, gründete Leoday eine Zeitung,»Journal des Etats gäneraux« zur Veröffentlichung ihrer Verhandlungen.Dieselben wurden unter Leoday's Leitung von 12 Currentschreibern aufge-nommen, welche an einem runden Tische sitzend derart abwechselten, dassder erste Schreiber, wenn er von dem Redner überholt wurde, seinemNachbar ein Zeichen gab, worauf dieser zu schreiben fortfuhr u. s. w., sodass jeder Schreiber, bis die Reihe wieder an ihn kam, Zeit genug hatte,aus dem Gedächtnis zu ergänzen, was die Hand nicht festzuhalten ver-mocht hatte. Diese Zeitung nahm unter der constituierenden Versammlungden Titel »Journal de l'assemblee Constituante«, dann unter der Legislativeden Titel »Le Logographe« an. In den Berichten waren die Revolutions-männer wiederholt durch allzu wörtliche Wiedergabe ihrer Reden lächerlichgemacht worden, weshalb das Journal in der Conventszeit durch Robespierre,der in solchen Dingen keinen Spass verstand, am 15. August 1792 unter-drückt und durch das Bulletin de la Convention nationale ersetzt wurde.1789 wurde von dem Buchhändler Panckoucke die Gazette nationale be-gründet, welche 1794 den Titel »Moniteur universel« annahm, und alsBerichterstatter Garat und Maret (später Herzog von Bassano) verwendete;diese gaben auf Grund ihrer currentschriftlichen Notizen geschickte Berichte.1791 wurde das Journal des D&bats gegründet, welches getreue Berichtebringen sollte. 1794 bot Coulon Thivenot (das Adelsprädicat unterbliebwährend der Revolution) sich dem Convent zur Herausgabe eines »Journaltachygraphique« an, welches ausgedehntere Berichte bringen sollte, als derMoniteur. Das Anerbieten wurde anfangs ungünstig aufgenommen, einigeRedner warfen ihm Langsamkeit der Übertragung vor, andere fürchteten,durch die Berichte lächerlich gemacht zu werden; als der Antrag zuletztangenommen wurde, scheiterte er an dem Widerspruche des Conseil des