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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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34 D' e Stenographie im iS. Jahrhundert.

aus dem Gedächtnis, worauf der Bericht für die Zeitungen gemacht wurde.Diese Berichte wurden von dem Publicum begierig aufgenommen, welcheszum erstenmal hörte, was seine Vertreter sagten und thaten. Zwei Jahreberichtete Cave ungestört, dann aber trat, wahrscheinlich veranlasst durchAbgeordnete, welche sich über die Berichte beklagten, der Sprecher dagegenauf und verbot die Veröffentlichung. Cave musste fürchten, seine Leser zuverlieren, welche sich an die Parlamentsberichte gewöhnt hatten, er drucktedie Berichte mit fingierten Namen und Johnson schrieb für ihn die berühmtgewordenen »Verhandlungen von Lilliput«. Als bei einer TischgesellschaftDr. Francis, der Übersetzer des Demosthenes, eine von Lord Chatham'sReden pries und sie höher stellte, als irgend eine, welche Demosthenes jegehalten habe, warf Johnson ein: »Diese Rede habe ich in einer Boden-kammer in der Exeterstraße gemacht«. Das Parlament schritt mit Geldbußenund Gefängnisstrafen gegen die Veröffentlichung der Verhandlungen ein.Von 1750 bis 1770 dauerte der Kampf gegen die Berichterstatter, danngab das Parlament nach, d. h. es hinderte diese nicht mehr, wenn es auchdie Veröffentlichung nicht guthieß. Die Verhandlungen während der Zeit,in welcher die Berichterstatter nicht zugelassen waren, sind von dem Par-lamentsmitgliede Sir Henry Cavendish aufgezeichnet worden, es sind nurzwei Bände davon gedruckt worden, dann kam der amerikanische Kriegund unterbrach diese Veröffentlichung. Woodfall, der Redacteur des Mor-iiing Chronicle, und Pcrry schrieben die Verhandlungen aus dem Gedächtnisnieder, doch erkannte letzterer den Nutzen der Stenographie und verwen-dete später Stenographen als Berichterstatter. Eine völlige Anerkennungfand die Stenographie 1780, indem am I. Mai der Antrag gestellt wurde,Gurney als Zeugen in der Verhandlung gegen Warren Hastings zu ver-nehmen; damals wurde der Antrag abgelehnt, aber am 4. Mai wurde einähnlicher Antrag gestellt und diesmal Gurney wirklich als Zeuge vernommen,ob Burke gewisse Worte über die Vernehmung von Warren Hastings ge-braucht habe; auf seine Aussage hin beschloss das Haus, die fraglichenWorte seien nicht gebraucht worden.

Aus Blanchard's Bemerkungen ist zu ersehen, dass auch beim Ge-richtshof die Stenographie ständig vertreten war. Eine Anzahl » Professorender Stenographie« waren stets anwesend, um die Verhandlungen für dieParteien wörtlich aufzunehmen und Blanchard verwarf den Gebrauch derWortauslassungen mit der Begründung, dass es bei dieser Übung nichtmöglich sei, ein gerichtliches Zeugnis abzulegen.

Benjamin Franklin erzählt von seinem Oheim John, dass diesser sichein eigenes Stenographiesystem verfertigt habe, es aber nicht anwendete;auch er habe es gelernt, aber vergessen. Die Verhandlungen des erstenCongresses der Vereinigten Staaten von Amerika wurden privatimvon Thomas Lloyd aufgenommen und erschienen 1791.

In Frankreich war die Tachygraphie des Ramsay am Anfang des1 8. Jahrhunderts verschollen und lange Zeit trat kein neuer Versuch in dieserRichtung auf. Ob das Manuel Tironien des Feutry ein Abbreviaturver-fahren oder eine neue Kurzschrift war, wissen wir nicht, ebensowenig istvon dem Parfait Alphabet des Cur6 de St.-Laurent und von der Tachy-graphie des La Valade bekannt. Jean Felicite Coulon de Thevenot, welcherschon 1776 eine Schrift über ein mechanisches Mittel, die Schreibkunst zuverbessern und über die auf rechtwinklige und nicht rechtwinklige Figurenzurückgeführte Schreibkunst veröffentlicht hatte, gab 1778 ein stenographi-sches System heraus, welches der französischen Sprache besonders ange-