32 Die Stenographie im 18. Jahrhundert.
treten. Die Folge war auch, dass Wörter unterbrochen werden mussten,weil die Zeichen nicht auf gleicher Stufe standen; er schrieb z. B. In thebeginn ing god crea ted the hea ven and the ea rth. Im ganzen stellte er85 Lautzeichen auf, welche zugleich Wortbedeutungen hatten. Dies warseine Longhand oder Vollschrift, auf welcher er durch Vereinfachungeneine Shorthand oder Kurzschrift aufbaute. Vortheilhaft vor anderenWerken zeichnete sich das seinige durch viele Leseübungen aus. MacaulayHess sich bestätigen, dass er einen vierjährigen Knaben in vier Stunden sounterrichtet habe, dass dieser die Stenographie lesen und schreiben konnte.Jede Unterrichtsstunde bei ihm kostete eine Guinee. In der dritten Auflageseines Werkes (1756) gab er, um den Klagen wegen Undeutlichkeit derverschiedenen Stellung der Buchstaben abzuhelfen, ein einzeiliges Alpha-bet (H. Gr. S. 132).
Diese Richtung weiter führend, veröffentlichte 1750 Peter Annet (einLehrer und Herausgeber einer freisinnigen Zeitung, der wegen angeblichgotteslästerlicher Aeußerungen zu Pranger und Gefängnis verurtheilt wordenist) ein System, dessen Alphabet ähnliche Zeichen für ähnliche Laute hat;er unterschied die Zeichen durch zwei Größen, die Vocalzeichen auchdurch Stärke: der wagrechte Strich ist e, breiter i, verstärkt a, verstärktund verlängert y, u ist ein Punkt, o ein Kreis (H. Gr. S. 133). ThomasHervey bildete Annet's System weiter aus, indem er Zeichen für Doppel-buchstaben beifügte (b verstärkt bb, d verstärkt dd etc.). Das Buch enthältauf 2V2 Seiten 720 Sigel in 42 Regeln (H. Gr. S. 134). Thomas Stackhouseverwendet für a, e, o, u den Kreis in verschiedener Größe und Gestalt, umdie Vocale leicht verbinden zu können (H. Gr. S. 134). Henry Taplin,ein Schüler Annet's verwendete die Verstärkung zur Unterscheidung ähn-licher Consonanten (k von g, p von b, t von d), für Vocale Haken (H.Gr. S. 134). Ein gewisser R. Tailor gab 1791 ein System heraus, welchesnach Levy ein Nachdruck von Taplin's System war.
William Tiffin unterschied in seinem 1750 erschienenen Systemharte und weiche Consonanten durch verschiedene Stellung derZeichen (unten p, oben 6 etc.), die Vocale, für deren genaue lautlicheWiedergabe er 17 Zeichen aufstellte, schrieb er über die Consonanten.(H. Gr. S. 163).
David Lylo gelang es, 103 mehr oder minder einfache Zeichen auf-zufinden, welche er aber ohne Rücksicht auf Lautähnlichkeit vertheilte (H.Gr. S. 134). Sein System erschien 1762. William Holdsworth und WilliamAldridge, welche 1766 gemeinschaftlich ein System herausgaben (H. Gr.S. 135), ermittelten die einfachsten geometrischen Zeichen, indem sie einenKreis mit senkrechten, wagerechten und schrägen Linien durchschnitten,diese mit Ellipsen umgaben und aus den Theilen dieser geometrischen Figur46 Grundformen erzielten. Dennoch benützten sie nicht diese Zeichen fürihr Alphabet, sondern behaupteten, ihre Zeichen aus der Stellung von Lippenund Zunge genommen zu haben, wonach ihre Zeichen Bilder der Lauteseien; schliesslich benutzten sie den Gusszettel der Buchdrucker, um diehäufigst vorkommenden Laute zu erfahren. Dabei kamen sie zu einemAlphabet, welches eine so merkwürdige Aehnlichkeit mit den anderen zuihrer Zeit üblichen, aber auf weniger wissenschaftliche Weise entstandenenAlphabeten hat, dass man vermuthen muss, sie hätten ihr Alphabet bereitsfertig gehabt, bevor sie die Wissenschaft befragten und aus den Angabendieser nur heraushörten, was in ihr System passte. Ein solcher Missbrauchder Wissenschaft ist später noch öfter vorgekommen.