Die Stenographie im 18. Jahrhundert. 31
Ausführung seiner Lehre war er nicht glücklich. Für 21 Laute hatte ernur 12 einfache Lautzeichen, durch Einfügung eines Ringelchens vermehrte erdieselben auf das Doppelte, hatte nun mehr Zeichen als Laute und ver-wendete den Überschuss zu Nebenzeichen, wobei er allerdings beabsich-tigte, das Übersteigen der Verbindungen über die Schriftzeile zu vermeiden.Dadurch wurden mehrerlei Schreibweisen möglich und das System verwickelt.Die Einringelung ist auch nicht schreibflüchtig und würde die Schrift nochmehr gehemmt haben, wenn der Ring nicht in der Verbindung zur Schleifegeworden wäre; warum Byrom nicht sofort die Schleife anwendete, ist un-begreiflich. Von seinen Nachfolgern blieb nur Molineux 1793 dem Alpha-bete treu, John Palmer 1774, W. Williamson 1775, Robert Graves undRobert Ashton 1775, ein Ungenannter 1778, veränderten das Alphabet,Williamson 1775 schaffte alle Nebenzeichen ab, dasselbe thaten auch Gravesund Ashton, welche übrigens jeden Vocal unterschiedlos durch den Punktbezeichneten, ein Verfahren, welches später Taylor wieder aufnahm undvertheidigte; der Ungenannte stellte für jeden Vocal ein eigenes Zeichenauf, welches über das Consonantenzeichen gesetzt wurde (H. Gr. S. 77—80).Zu den Nachfolgern Byrom's muss auch der Juris Dr. William Mavor1780 gerechnet werden, welcher an Stelle der fünf Punkte Byrom's denPunkt und das Komma in drei Stellungen (a, e, i und o, u, y) verwendete(H. Gr. S. 82). Auch er hat für jeden Consonanten nur ein Zeichen mitAusnahme des r, dessen von Byrom entlehntem Zeichen (einem schrägenAufstrich) er das schon von früheren Stenographen verwendete currentschrift-liche r beigesellte, um mit diesem die Schriftzeile wieder zu erreichen, einVorgang, der später oft nachgeahmt wurde (auch von Taylor). Indem Mavoreinfache Zeichen für thr und str in das Alphabet aufnahm, wurde er derBegründer der Zeichen für Mischlaute.
Samuel Taylor, der berühmteste unter allen englischen Stenographen,von dessen Leben aber gar nichts bekannt ist, verwendete wie Graves undAshton, deren System er kannte, den Punkt ohne Unterschied der Stellungfür jeden an- und auslautenden Vocal, ließ den inlautenden Vocal ganzunbezeich.net und begründete dies damit, dass durch die verschiedene Stellungder Punkte im Schnellschreiben leicht Irrungen entstehen könnten, weshalbes besser sei, gar keinen Vocal, als einen falschen zu schreiben. Für die Ver-bindung der Zeichen gab er eine Combination stabeile, welche späteroft nachgeahmt wurde, im ganzen aber nur 13 Regeln, so dass sein Systemdas einfachste wurde. (H. Gr. S. 94 ff.) Da sich seine Zeichen gut ver-binden lassen, hat sich seine Stenographie in England bei Berufsstenographenbis auf den heutigen Tag erhalten als ein lebendiger Protestgegen alle verwickelten Systeme. Einer seiner Nachfolger, JohnCrome, suchte 1798 die Ringelchen der Taylor'schen Zeichen durch dieUnterscheidung größerer und kleinerer Zeichen zu ersetzen (H. Gr. S. 96).Eine dritte Richtung der englischen Stenographie eröffnete 1747Aulay Macaulay, durch die Einführung der geschriebenen und ver-bundenen Vocalzeichen. Sein System ist noch mehr als das Byrom'seine Reaction gegen die Weston'sche Methode der Kürzung um jeden Preis,obgleich es noch von Einfachheit sehr entfernt ist. Macaulay verwendeteZeichen in dreifacher Größe und in zweifacher Stellung für Vocale, Conso-nanten und Consonantenverbindungen, wobei die Vocale mehrfache Zeichenerhielten. Der Grundsatz seines Zeitgenossen Byrom, dass ähnliche Lauteähnliche Zeichen erhalten sollten, lag ihm völlig fern; « } t, l, th, tr, ch, pl,werden durch dasselbe Zeichen in verschiedener Größe und Stellung ver-