30 Die Stenographie im 18. Jahrhundert.
1750 Taschen- und Kirchthurmuhrmacher. Seine Abweichungen von Masonsind gering; dass er nicht ein alphabetisches Verzeichnis von Wörtern gabwie dieser, hat ihn in den Ruf gebracht, Mason's System wesentlich ver-einfacht zu haben (H. Gr. S. 65 ff.). Nach seinem Tode (1770) gaben seineSöhne das System in neuen Auflagen heraus, in der Auflage von 1773 wurdeder Hinweis auf das Ursystem von Mason weggelassen, 1789 erschien eineAuflage in Philadelphia.
Philipp Gibbs, der Geschichtschreiber der Stenographie (s. S. 6) warein gelehrter Mann und gehörte einer Dissentergemeinde in Hackney an,gieng dann zu den Calvinisten über, trennte sich auch von diesen undblieb dann der Religionsbewegung fern. Sein System war auf Rieh ge-gründet, bot aber große Veränderungen. Das Streben nach größerer Deut-lichkeit veranlasste ihn, fast für alle Consonanten Doppelzeichen aufzustellen,welche einerseits verschiedene Wortbedeutungen vertraten, anderseits deninlautenden Vocal symbolisch auszudrücken berufen waren. DieDoppelzeichen gewann er durch Umkehrung, Brechung oder schiefe Stellungder Hauptzeichen (H. Gr. S. 59 ff.). Sein System fand keinen Anklang.
Der gleichfalls gelehrte Samuel Jeake las in der königlichen Gesell-schaft eine Abhandlung über die Elemente der Kurzschrift, welche er sichaus 8 Zeichen bestehend dachte, während die Vocale unbezeichnet blieben.Seine 8 Zeichen sind die einfachsten geometrischen, indem er aber ähn-liche Laute (z. B. b p f) nicht durch ähnliche Zeichen, sondern durchdasselbe Zeichen darstellte, zerhieb er den gordischen Knoten, statt ihnzu lösen. Byrom, gleichfalls Mitglied der königlichen Gesellschaft, kritisiertein der nächsten Sitzung derselben dieses Problem. Dessenungeachtet stellteSamuel Soare 1780 ein gleiches System mit 11 Zeichen auf, dagegen ent-hielt das »Alphabet der Vernunft« 21 Lautzeichen (H. Gr. S. 69/70).
Eine neue Richtung erhielt die englische Stenographie durch denbereits mehrmals erwähnten John Byrom, der 1741 ein Patent auf seinSystem nahm, dasselbe jedoch nicht veröffentlichte, wohl aber darnach unter-richtete und zahlreiche und vornehme Schüler hatte, welche den erstenStenographenverein gründeten und nach dem Tode ihres Meisters seinSystem veröffentlichten. Im Gegensatz zu Weston erklärte Byrom dasAlphabet als die Grundlage, von der alles übrige abhängigsei, er ordnete die Laute nach ihrer Verwandtschaft, verlangte,dass die Zeichen einfach, kurz und schreibflüchtig seien, dassdie einfachsten Zeichen den am häufigsten vorkommendenLauten zuzutheilen seien, die verbindungsfähigsten Zeichen denverbindungsfähigsten Lauten, stellte somit dieselben Regeln auf,welche spätere Stenographen nur abzuschreiben brauchten, um ihren Systemenden Ruf einer wissenschaftlichen Begründung zu geben. Byrom verbannteaus der Stenographie alle currentschriftlichen Buchstaben und die in denSystemen seiner Zeit noch sehr beliebten Bildzeichen. Außer den Sigeln,zu denen er die alphabetischen Zeichen und zwar sowohl für Wörter, wiefür Vor- und Nachsilben benützte, stellte er ein freies Abkürzungsver-fahren auf, wonach der Anfangsbuchstabe das Wort vertrat, welches ausdem Satzzusammenhange zu erkennen war. Von größtem Einfluss auf dieenglische Stenographie war seine interpunktierende Vocalbezeich-nung, wonach die Wörter in einem Zug geschrieben, die Vocale als Punkte inden Stellungen a, e, i, o, u, wenn sie nothwendig waren, eingeschrieben wurden,bei flachen Zeichen wendete er auch die Vocalsymbolik durch veränderteStellung des Consonantenzeichens an (H. Gr. S. 71—77). In der praktischen