Die Stenographie im 17. Jahrhundert. 25
Dormans war und 1633 —1651 in Paris wohnte, eine französische Steno-graphie, welche lange Zeit als verloren galt, bis L. P. Gu&nin sie vor kurzemin der Pariser Bibliothek wieder auffand. Nach seiner Veröffentlichung inden Verhandlungen des internationalen Stenographen-Congresses, London1888, unterscheidet sich das Original von der in der H. Gr. S. 305 ff. nacheiner Abschrift gegebenen Probe nicht wesentlich (die langen Zeichen gehenunter die Zeile hinab). Cossard's Stenographie zeichnete sich vor allen eng-lischen dadurch aus, dass sie eine Vollschrift zur Grundlage hat, aufwelcher sich als höhere Stufe eine phonetische und als höchste Stufe einegekürzte Schrift erhebt. Als Kiürzungsregeln dienten die zu jener Zeitvon Juristen in der Currentschrift gebrauchten Weglassungen. Das Ver-hältnis von Cossard's Stenographie zur Currentsehrift war: 1. Stufe 1: 2 x / 22. Stufe 1:3, 3. Stufe 1: ö 1 ^- Trotzdem scheint Cossard's Werk keinenAnklang gefunden zu haben, über seine praktische Anwendung ist gar nichtsbekannt, ebensowenig von neuen Auflagen des Buches; es blieb so unbe-kannt, dass 27 Jahre später ein minderwertiges System in Frankreich alsein neues Evangelium begrüßt wurde und bis zum Ende des Jahrhundertseine Reihe von Auflagen erlebte. Es ist nicht immer das Gute, welches siegt.
Die gleiche Methode, wie Cossard, befolgte, obgleich mit anderenLautzeichen, ein Niederländer J. S. S. V. D. M. in seiner 1666 erschienenenlateinischen Stenographie. Derselben liegt Rieh's Alphabet zu Grunde, welcheser so zu gebrauchen lehrte, dass man die Lautzeichen getrennt oder ver-bunden schrieb. Eine höhere Stufe bot die Anwendung der symbolischenVocalbezeichnung, eine dritte Stufe das Kürzungsverfahren, bestehend ausSigeln für Begriffs- und Formwörter, Bezeichnung der Conjugation durchZiffern und des Plurals durch einen Punkt (H. Gr. S. 353).
Die älteste niederländische Stenographie befindet sich alsHandschrift im Britischen Museum (Sloane MS. 897 und 932). Diese Kort-schrift de Nederlantsche tale toegeeigent, 1658, ist nie gedruckt worden,sie enthält nur 15 Lautzeichen, da b p, d t, v f, k g, z s gleiche Zeichenhaben.
Noch im selben Jahrhundert erschienen in Holland zwei Stenographie-Systeme. Johann Reyner, ein Kaufmann zu Rotterdam, übertrug 1673 dieShelton'sche Stenographie auf die niederländische Sprache und 1678 folgteJohannes Gosens van Helderen, ein Lehrer der Stenographie, mit einemähnlichen System (H. Gr. S. 353 f.).
Carl Aloys Ramsay, seinem Namen nach englischer Abkunft, vonwelchem aber nur bekannt ist, dass er zwei Abhandlungen des berühmtenChemikers Kunkel ins Lateinische übersetzte und bei Heinrich Wülemsonin London und Rotterdam erscheinen ließ, ferner dass er Reisen in Frank-reich und Italien machte, sich aber 1677—1679 in Deutschland aufhielt,veröffentlichte 1678 eine lateinische und im selben Jahre eine deutscheStenographie, welche sich beide an Shelton's System eng anschließen,in einer Frankfurter Wochenschrift. Nachdem er zu derselben Zeitdiese Stenographie für die französische und italienische Sprache bearbeitethatte, gab er noch 1678 die lateinische und die deutsche unter demTitel: » Tacheographia« in Buchform ohne Angabe seines Namens, einesVerlegers und Druckortes heraus, nur auf der der deutschen Ausgabe bei-gegebenen Kupfertafel befindet sich in der unteren Ecke der Vermerk: AufhöreC. A. R. Sumptibus Johannis Georgij Cheeus, Anno 1678. Frankofurti adMoenum. Die Übertragung ins Französische soll ebenfalls 1678 in latei-nischer Sprache erschienen sein, eine Ausgabe von 1681 ist von einem Herrn