26 Die Stenographie im 17. Jahrhundert.
A. D. G., dessen vollen Namen man nicht kennt, ins Französische übersetztund hat gegenüberstehenden lateinischen und französischen Text. Die Ueber-tragung auf das Italienische scheint nicht erschienen zu sein. Von der latei-nischen Tacheographia erschienen 1681 und 1684 angeblich neue Auflagenbeim Jenaer Buchhändler Johann Bleiche, thatsächlich erhielt das Buch 1681nur einen neuen Titel und 1684 wurde die 1 in 4 verwandelt. Die fran-zösische Tacheographie erlebte von 1681 bis 1693 eine Reihe von Auflagen.Die deutsche Tacheographie wurde laut einer Polemik in der Ausgabe von1679 von einem Philologen Daniel Hartnach nachgedruckt. In demselbenJahre 1679 erschien das Werk in einer anonymen Ausgabe, welche gleich-falls für einen Nachdruck gehalten wird. 1684 soll eine neue Ausgabe derdeutschen Tacheographia bei Bleiche erschienen sein. Der Messkatalog von1683 verzeichnet auch eine lateinische Ausgabe dieses Jahres. 1679 veran-staltete der Dresdener Buchhändler Johann Christoph Mleth in seinem Buche:»Die Curiose-Schreibe-Kunst« etc. einen Nachdruck der deutschen Tacheo-graphie von 1678 mit einem Nachwort, worin er, um seinen Nachdruck zubeschönigen, Ramsay's Arbeit die Originalität abspricht und behauptet, siesei durch Buchstabenwechsel aus Schwenter's und Hercules de Sunde'sSchriften (letzterer gab Schwenter's Steganologia et Steganographla in ver-mehrter Auflage heraus) entstanden. Die Curiose Schreibekunst wurde 1683,1684, 1695 und 1712 neu aufgelegt. 1743 veranstaltete der Leipziger Buch-händler Chr. Friedrich Gessner einen Abdruck von Ramsay's deutscherTacheographie und nahm dieselbe in den gleichfalls 1743 erschienenen»Briefsteller« auf; beide Bücher erlebten eine Reihe von Auflagen. Ramsay'sSchrift hat durchaus nicht die Kürze des englischen Originals, ihr Verhältniszur Currentschrift ist wie 1 : 3.
In dem 1680 erschienenen, später oftmals wieder aufgelegten WerkeHlstorla orbls terrarum etc. berichtet der Verfasser, Johann ChristophBecmann, ein reformierter Theolog, welcher mit Unterstützung des Kur-fürsten von Brandenburg Deutschland, Holland und Belgien durchreist hatteund sich dann als Professor an der Universität zu Frankfurt niederließ, überdie englische Stenographie nach John Willis, Thomas Shelton, John Wllhlnsund Jeremlas Rieh und bezeichnet als die Grundzüge dieser Kunst: I. dieeinzige Norm für die Schreibenden bildet die Aussprache der Worte, nichtaber die gewöhnliche Orthographie. 2. An Stelle der Buchstaben finden dieeinfachen Züge, gerade, kreisförmige, halbkreisförmige, entweder allein odermit einander verbunden, Anwendung. 3. Die Vocale werden nicht ausge-drückt, sondern durch die Stellung der Consonanten bezeichnet. 4. Die Ar-tikel werden ganz unterdrückt. 5. Hilfszeitwörter, Präpositionen, Conjunc-tionen, häufige Nebensilben werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Mono-gramme dargestellt. 6. Auch andere häufig vorkommende Wörter, Phrasenund Sentenzen werden lediglich durch Monogramme bezeichnet.
Johann Jakob Hoffmann druckte Becmann's Bericht in seinem damalsstark verbreiteten Lexlcon universale etc. ab. Das Werk erschien 1677 zuBasel und erhielt 1683 eine Continuatlo, welche unter dem Worte Tachy-graphla denselben wortgetreu brachte. Aus diesem Werke haben eine Reihevon Schriftstellern ihre Angaben über Tachygraphie entlehnt. Notizen überdie Stenographie finden sich noch in J. Chr. Wagensell's Pera llbrorumjuvenillum etc., 1695, Joh. Alb. Fabrlclus' Bibllotheca latlna, 1697, J. J.Becher's »Närrische Weisheit und weise Narrheit« 1682.
In Schweden hat ein gewisser Ralamb eine kurze Anleitung zurTachygraphie veröffentlicht.