24 Die Stenographie im 17. Jahrhundert.
Lautzeichen diente (ein Gedanke, der sich manchmal auch bei neuerenSystemen als nützlich aufdrängt). George Ridpath (1687) soll der erstegewesen sein, welcher die Vocale unbezeichnet ließ. Das Verhältnisder englischen Stenographie jener Zeit zur Currentschrift ist wie 1: 4.
Die Reclame wurde sehr frei angewendet, die Verfasser von Lehr-büchern ließen sich in Gedichten feiern, welche sie als Einleitungen ihrenBüchern vorausschickten. lob Everardt brachte auf dem Titelblatte 12 Bibel-sprüche an, welche sich auf das Schnellschreiben beziehen, und gab eineAnwendung seines Systems auf 33 verschiedene Sprachen, worin er derVorgänger Gabelsberger's wurde. Die Preise der Bücher schwankten voneiner Guinee (21 Shilling) bis 1 Shilling, 6 Pence.
Im Gegensatze zu der stenographischen Bewegung seiner Zeit glaubteßatcliff von Plymouth der Welt einen Dienst zu erweisen, indem er stattkurzschriftlicher Zeichen, welche von Anfängern leicht verwechselt wurden,die currentschriftlichen Zeichen zu Abkürzungen verwen-dete, seine Schrift verhält sich zur Currentschrift wie 1 : 2. (H. Gr. S. 181.)Der Umstand, dass auf seinem, um 1688 erschienenen Buche bemerkt war,es sei nach dem Tode des Verfassers herausgegeben, hat die irrige Meinunghervorgerufen, diese Abbreviaturenschrift sei eine Vorläuferin der Steno-graphie gewesen und schon vor Bright erschienen. Doch wird in demWerke selbst auf die Vocalstellen Willis' hingewiesen und die Stenographieals schon bestehend bezeichnet. Das Buch wurde von dem Kupferstechervan Hove gedruckt, dessen Werke in die Zeit von 1645 bis Ende des Jahr-hunderts fallen.
Für die praktische Anwendung der Stenographie in diesemJahrhundert liegen viele Beweise vor. Farthing nennt sich als der Bericht-erstatter in dem Processe Christopher Love's und hat mit John Hinde dasletzte Gebet und die letzte Ansprache desselben nachgeschrieben. Hindestenographirte die Sterberede des hingerichteten Erzbischofs von Canter-bury, William Land, sowie die Rede Henry Hide's, welche dieser vor seinerEnthauptung hielt. Solche Reden wurden dann durch den Druck veröffent-licht. Ein Stenograph, Clement Walker, hat seinen Namen durch die Auf-nahme des Processes des republikanischen Agitators John Lilburne (1649)bekannt gemacht, Walker selbst wurde wegen seiner politischen Grundsätze1651 hingerichtet. John Blaney machte sich durch die stenographische Auf-nahme des Processes Th. Rosewell's bekannt. Der Kanzler King führte inRieh's Stenographie ein Tagebuch, welches 1790 von Thomas Reed inCurrentschrift übertragen wurde. Auch die Memoiren Pepys' sind in dieserStenographie geschrieben und 1841 von J. Smith entziffert und veröffent-licht worden. Nach Westby-Gibson wurde bei der Norfolk Divorce Bill 1699die Stenographie zum erstenmal im Hause der Lords officiell (?) ver-wendet.
Aus der Reihe der in der Geschichte der Stenographie aufgezähltenStenographie-Autoren ist der Bischof Wilkins jedenfalls auszuscheiden. Inseinem Mercury or the secret and swift messenger, Shewing, how a manmay privaey and speed communicate his thougt to a friend at manydistance, 1641, 2. A. 1694, 3. A. 1707, gibt er eine Art musikalischer Tele-graphie (H. Gr. S. 162); eine andere Schrift: An Essay towards a Real Cha-rakter, 1668, enthält willkürliche Zeichen für Wörter und Phrasen, eineArt Universalsprache, aber zu compliciert für schnellschriftliche Zwecke.
Ganz unabhängig von den englischen Systemen schuf der FranzoseJacques Cossard, welcher 1651 Bachelier en theologie, auch Pfarrer von