Die Stenographie im 17. Jahrhundert. 23
gesprochene Verse nachzuschreiben und zugleich die Scenenvorgänge zuschildern, dass Irrthümer dabei unvermeidlich sind, und es war natürlich,dass sich die Dichter dagegen aussprachen, so Heywood, der ZeitgenosseShakespeare's (nicht der in der H. Gr. S. 40 genannte John). Die Ausgabedes Hamlet von 1603 hat sich als ein mit Hilfe der Stenographie herge-stellter Nachdruck erwiesen.
Im Jahre 1618 veröffentlichte Edmond Willis, ein Namensvetter desersten Erfinders, ein wesentlich verschiedenes System (H. Gr. S. 47 ff.).Nach seiner Angabe hatte er 1604 die Stenographie erlernt, aber nicht zueiner Fertigkeit im Schnellschreiben gelangen können (was aber doch anderennach obigen Berichten gelungen ist). Er verwendete auch Currentbuch-staben als Lautzeichen (g, h, 11, q, r, sj, was lange nachgeahmtworden ist, führte Nebenzeichen ein (welche stets ein Beweis sind, dassdie Hauptzeichen nichts taugen) und vermehrte die Vocalstellen von 5 auf12. Alles das waren keine Verbesserungen, doch mochten die Currentbuch-staben zur leichteren Erlernung des Alphabets beitragen, auch verstand eres, die wichtigen Nachlaute r und l in br, bl, er, cl etc. sehr kurz zu ge-stalten, und auch dies wurde viel nachgeahmt. Seine Schrift hat eine mehrcursive Form, als ihre Vorgängerin. Einer seiner Schüler war der Geheim-secretär bei Karl I. und Karl IL, Edward Nicholas, von dem die Nach-schriften der Parlamentsreden aus der Zeit vom 21. März bis 9. Juni 1627,sowie auch Briefe in dieser Stenographie erhalten sind.
Die folgenden Herausgeber stenographischer Werke änderten manchesim Alphabet, in den Zeichenverbindungen und in der Kürzungsweise (H.Gr. S. 49—61), in allen englischen Systemen des 17. Jahrh. herrscht aberdie von John Willis begründete intermittierendeVocalbezeichnungvor, die von Shelton wieder auf 5 Vocalstellen, von Rieh oder vielmehrvon seinem Oheim Cartwright, dessen System er als Erbe veröffentlichte,auf 4 Stellen (weil e unbezeichnet blieb) zurückgeführt wurde. Die latei-nische Stenographie Shelton's gelangte durch einen Deutschen, WilhelmSchröter, in die Hände des Jesuiten und Mathematikprofessors Kaspar Schott,der sie in seiner Technica curiosa, Nürnberg 1664, 2. A. 1687, die Zeichensauber in Kupfer gestochen, abdruckte. Schröter studierte zu Leyden, wodemnach die lateinische Stenographie Shelton's bekannt war, welche auchder nach Wien berufene Van Swicten, der Leibarzt der Kaiserin MariaTheresia, anwendete. Die k. k. Hofbibliothek in Wien besitzt einen Folio-band censurierter Bücher, zu denen Swieten seine Bemerkungen in steno-graphischer Schrift machte.
Von Henry Dix (1633) wird berichtet, dass er nur 15 Verbin-dungen zum Auswendiglernen gab und die Anwendung der unvollständigenWörter dem Ermessen der Lernenden anheimgab. Eich gab jedem alpha-betischen Zeichen und den Consonantenverbindungen von vorneherein eineWortbedeutung, was später vielfach nachgeahmt wurde, durch Punktein verschiedener Stellung wurden Appositionen ausgedrückt; sein Systemgefiel dem Philosophen Loche, der es in seinen »Gedanken über die Er-ziehung der Kinder« (1693), welche ins Französische, Holländische undDeutsche übersetzt wurden, als das beste empfahl und dadurch weltbekanntmachte, während es wegen seiner besonders die Predigerausdrücke betreffendenAbkürzungen von der englischen Geistlichkeit hochgeschätzt und bis ins19. Jahrh. verbreitet wurde. Steel (1678) soll die ganze Lehre von der Steno-graphie umgekehrt und mit den Wortzeichen begonnen haben, sodass nur für Wörter, welche nicht eigene Zeichen hatten, der Gebrauch der