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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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14 Die römischen Noten.

stellt, nur zum kleinsten Theile seine Worte richtig wiedergaben. DerselbeSchriftsteller bemerkt auch in der Vorrede seines bekannten Werkes, dasszwei Bücher über Rhetorik unter seinem Namen umliefen, die er wederherausgegeben, noch zur Veröffentlichung ausgearbeitet habe; beide Schriftenseine vielmehr von Hörern nachgeschrieben und veröffentlicht worden. Pli-nius der Jüngere erzählt von dem Alteren dieses Namens (2379), dass erbeständig einen Geschwindschreiber, selbst auf Reisen, zur Seite gehabt habe,und von sich selbst, dass auch er sich zu Zeiten eines Schnellschreibers be-diene. Um diese Zeit erhielt das Wort dictare, welches ursprünglich, »oftsagen, vortragen, befehlen« bedeutete, den Sinn unseres heutigen dictieren,woraus im Mittelalter das deutsch gewordene »Dichter« entstand. Der Ver-wendung der Stenographie bei Gericht verdankt die Märtyrergeschichtevielen Stoff. Die Christen sollen sich die Acten der Untersuchungsrichterdurch Bestechung der Gerichtsschnellschreiber oder ihrer Diener zu ver-schaffen gewusst haben. Diese sowie die selbst aufgenommenen Verhand-lungen wurden gesammelt, in den Kirchenarchiven aufbewahrt und an denMärtyrerfesten öffentlich vorgelesen. Dass der Martyr Cassianus zum Todeverurtheilt, seinen Schülern überantwortet und von diesen mit Griffeln er-stochen wurde, berichtet Prudentius in Versen, welche den Verdacht er-regen, reine Erdichtung zu enthalten. Wenn übrigens Lips aus den Worten:

Sieh, wir geben zurück dir so viele tausend von Noten,

Wie stehend weinend wir dereinst von dir gelernt;

Punkte zu stechen, wie freut's! und Furchen zu ziehen auf Furchen,

Mit Bogenlinien zu verknüpfen Strich an Strich

auf die Form der römischen Stenographie schließen zu können vermeinte,so irrte er sich: aus Bogenlinien, Furchen und Punkten bestanden diecurrentschriftlichen Abkürzungen.

Ueber die stenographische Aufnahme der Senatsverhandlungen be-richtet Isidor, dass mehrere zu gleicher Zeit anwesende Stenographen ihreObliegenheiten unter sich vertheilt und bestimmt hätten, wie viel ein jederWörter und in welcher Ordnung er sie aufzuzeichnen habe. Dagegen er-zählt Plutarch, dass Cicero, um den Wortlaut der Rede des Cato zu er-halten, die gewandtesten Schreiber (denen er vorher die Stenographie ge-lehrt habe) in der Curie an verschiedenen Orten aufgestellt habe, undAugustinus sagt in seinem 141. Briefe, dass 8 Stenographen, indem siesich zu je 2 und 2 ablösten, die Reden der versammelten Bischöfe inKarthago aufnahmen (also damals so arbeiteten, wie es noch heutzutagegeschieht).

Zur Aufnahme von Reden bedienten sich die Schnellschreiber der inRom allgemein zu vorübergehenden Aufzeichnungen gebrauchten mit Wachsüberzogenen Täfelchen, in welche die Zeichen mit eisernem Griffel leichteingeritzt wurden.

Die römischen Stenographen waren, wie die jetzigen, Leute vonBeruf, doch gab es auch Dilettanten. Sueton berichtet vom Kaiser Titus:ich habe vielseitig gehört, dass er im Stande gewesen sei, auf das ge-wandteste zu stenographieren und dass er im Scherz mit seinen Schreibernsich gemessen habe. Augustin berichtet in seinem 44. Briefe, dass als dieNotare eine seiner Reden nicht hatten stenographieren wollen, die Gläu-bigen selbst diese Mühe auf sich nahmen (wahrscheinlich befanden sicheinige der Stenographie Kundige in der Versammlung).

Nach Wattenbach war die Kenntnis der tironischen Noten noch im6. Jahrhundert völlig geläufig, unter Ludwig dem Deutschen jedoch verlor