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Geschichte und Litteratur der Stenographie
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Die römischen Noten.

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und diejenigen, welche dieselben erlernt hatten, hießen Notare«, so hat erin den Anschauungen der späteren Zeit eine große Verwirrung angerichtet,indem man in jedem Notarius einen Stenographen vermuthete. Schon Dr.Zeitig hat mit Recht bemerkt: »Die Bedeutung dieser Worte (notarii,actuarii, exceptores etc., sowie der entsprechenden griechischen) ist eineschwankende. Es wird nichts helfen, man muss in jedem ein-zelnen Falle dem Zusammenhange des Satzes, in dem einesolche Bezeichnung vorkommt, nachspüren.«

Ob die Noten des Seneca (die Silbenzeichen) eine große Verwendungfanden, lässt sich nicht ermitteln, dagegen lässt sich ziemlich scharf zwischenden tironischen Noten als Mittel zum Nachschreiben von Reden und dengemeinen Noten, d. s. die Abkürzungen in der Currentschrift, unterscheiden.

Die Kenntnis dieser Abkürzungen war jedem Römer nöthig, siekamen fast auf jedem Schriftstück, auf allen Inschriften und auf denFahnen (als S. P. Q. R. Senatiis populusque Romanus) vor. Wenn daherSueton vom Kaiser Augustus erzählt, er habe seine Enkel litteras et 110-tare gelehrt, so ist dies wohl nicht mit »Wissenschaften und Stenographie«,sondern mit »Buchstaben und Abkürzungen« zu übersetzen, und wennKaiser Diocletian im Jahre 103 in der Verordnung »Über den Preis derVerkaufsgegenstände« (herausgegeben von Mommsen, 1851) bestimmt,dass dem Notarius für jeden einzelnen Schüler ein Monatsgehalt von 75Denaren (M. 6.42) auszusetzen sei, für den gewöhnlichen Lese- und Schreib-unterricht aber 50 Denare und für den Unterricht in der lateinischen Sprache200, so werden diese Notare jedenfalls die Abkürzungen, nicht aber dietironischen Noten gelehrt haben. Wenn Fulgentius sagt: »Bei allenKünsten gibt es erste Künste und zweite Künste, so ist bei den Wissen-schaften des Knabenalters die erste die Abcschrift, die zweite die Noten-schrift«, so wird man auch hier die Abkürzungen der Currentschrift zuverstehen haben. Auch wenn Cicero in seinen Briefen an Atticus (ep. 13,12) sagt: »was ich dir betreffs der zehn Gesandten schrieb, hast du zuwenig verstanden, da ich in Zeichen (ota a^jistuv) geschrieben habe«, sosind hier gewiss nicht tironische Noten gemeint (denn diese waren genauoder dem Unkundigen ganz unverständlich), sondern entweder currentschrift -liche Abkürzungen oder, wie Dr. Zeihig vermuthet, eine Geheimschrift.

Wo dagegen vom wörtlichen Nachschreiben gesprochen wird, ist dieAnwendung tironischer Noten anzunehmen, so z. B. wenn Q. AsconiusPedianus, ein Commentator Cicero's, über eine Rede, welche dieser imJahre 52 für Milo hielt, schreibt: »Als Cicero zu sprechen begann, wurdeer vom Geschrei der Glodianer unterbrochen, er sprach daher nicht mitder gewohnten Sicherheit, doch ist die Rede stenographisch niedergeschrieben(excepta) noch vorhanden, während er diejenige Fassung, welche wir lesen,so ausgefüllt aufgesetzt hat, dass sie für die ursprüngliche gehalten werdenkonnte«. (Wir haben hier zugleich einen Beweis, dass Reden überliefertwerden konnten, ohne stenographiert zu sein, wenn sie der Redner selbstvorher oder nachher niederschrieb.) Sueton sagt in seiner Lebensbeschrei-bung des Julius Caesar, von diesem seien einige Reden irrthümlicherweiseim Umlauf, z. B. die für den Q. Metellus, von welcher Augustus nichtmit Unrecht annahm, dass sie von Schnellschreibern, die den Worten desRedners nicht zu folgen vermochten, nicht von ihm selbst herausgegebenworden wäre. M. Fabius Quintilianus hebt im seiner Einleitung zur Rede-kunst hervor, dass eine Anzahl Klagsreden unter seinem Namen im Umlaufwären, die durch die Nachlässigkeit lolmbegieriger Schnellschreiber ent-