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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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1 2 Die römischen Noten.

die Zeichen der Vorsilben ab, de, di, dis, ex, ad, con, in, ob, per, pro, prae,re, se, sub, trans, und Isidor mochte dies für die Grundlage der Zeichen-schrift halten; was Vipsanius Philargyrus und Aquila hinzugefügt, lässt ervollkommen im Dunkeln. Nun hat Dr. Zeibig schon darauf hingewiesen undjeder Stenograph wird ihm beistimmen, dass die Tironischen Noten eineinheitliches Gepräge haben und dass von einer stückweisen Aufstellungkeine Rede sein könne. Zu dem fertigen Systeme konnten allerdings nochNoten hinzugefügt werden, wie denn die jüngeren biblischen Namen undchristlichen Wörter eine den älteren heidnischen Noten vollkommen ent-sprechende Gestalt haben, bis erst in noch jüngerer Zeit die Notenbildungaufhörte, und Wörter, welche in den Verzeichnissen nicht vorhanden waren,mit Currentschrift eingeschrieben wurden. Es ist daher, namentlich mit Rück-sicht auf die Stelle bei Dio Cassius anzunehmen, dass Vipsanius Philar-gyrus und Aquila diese Noten lehrten und dass Verzeichnisse unter ihremNamen im Umlauf waren, wie ein solches den Namen Seneca's trägt.

Den Anstoß zur Erfindung der Tironischen Noten scheint jene Stellein Cicero's Redner (II, 93) anzudeuten, wo ein Beispiel gegeben wird, wiedie Buchstaben A. F. P. R. auf dreierlei Weise gelesen werden konnten(Scaurus las: Actum Fide Publii Rutilii; Rutilius: Ante Factum, Post Re-latum; Cajus Caninius: Aemilius Fecit, Plectitur Rutilius). Diese Viel-deutigkeit mag zwischen dem Herrn und dem Sclaven oft besprochen wordenund die Ursache gewesen sein, dass Tiro seine Zeichenschrift ersann.

Ich habe (ohne besonderes Gewicht darauf zu legen) die Meinung aus-gesprochen, dass die in den Verzeichnissen vorkommende Note für denSatz: Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra von Tiro wirklichin der erhalten gebliebenen Weise (H. Gr. S. 22) geschrieben sei. Das istvon mehreren Seiten bestritten worden, indem behauptet wurde, jener Satzsei ein geflügeltes Wort in Rom geworden und die Note dafür erst späterentstanden. Beweise für die Behauptung, dass dieser Satz in Rom häufiggebraucht wurde, sind nicht gebracht worden, der Citatenkenner Büchmanugibt nur zwei Stellen (Sallust, Catilina 20, 4 und Livius 6, 18) an, wodas Wort Quousque tandem, aber nicht jener volle Satz vorkommt; zieheich noch in Betracht, dass überhaupt in den Tironischen Noten keine ge-flügelten Worte vorkommen, (z. B. wird man in den verschiedenen Rede-wendungen von periculum das periculum in mora vergebens suchen), fernerdass Cicero einmal sagt: »ich habe keineswegs dem Tiro dictiert, der ganzenPerioden zu folgen pflegt, sondern dem Spintharus silbenweise«, woraus her-vorgeht, dass Tiro (ebenso wie der spätere Gabelsbergcr) ganze Sätze mitwenigen Zeichen zu erfassen pflegte, so finde ich keine Veranlassung, meineMeinung wegen solcher oberflächlichen Einwürfe zu ändern.

Das 7. und 8. Gapitel des Gruter'sehen Verzeichnisses enthält Noten-zeichen, welche eine ganz andere Tendenz haben, als die übrigen, nämlichZeichen für die Selbstlaute a, e, i, o, u, und daran anknüpfend ein Sillabar:ba, bas, be, bes, bi, bis, bo, bos, bu, bus, borum, barum, ca, cas etc. Inneuerer Zeit ist in Madrid ein Codex aufgefunden worden, welcher dieÜberschrift trägt: »Es beginnen die, zum Jugendunterricht, wie überliefertw r ird, von Seneca, dem Dichter von Cordoba, herausgegebenen Noten«und ein vollständiges Alphabet sowie ein Sillabar tironischer Noten enthält,das allerdings in Einzelheiten abweicht (H. Gr. S. 33). Dies ist nun diedritte Art der römischen Noten und wenn Isidor von den Notensagt: »Sie wurden Noten genannt, weil sie die Wörter oder Silben durchfestgesetzte Charaktere bezeichneten und zur Kenntnis der Leser brachten,