Schrift und Sprache. 5
fast gänzlichen Wertlosigkeit der Stenographie für denallgemeinen Verkehr zu erbringen versuchte. Das war zu weit gegangen.Aber der große Denker, Graf Moltke, lehnte das Ansinnen, die Stenographiebeim Militär einzuführen, mit der sehr richtigen Bemerkung ab, dass dieStenographie erst dann ihren vollen Wert erlangen werde,wenn sie allgemein gelehrt und verstanden wird, denn »die Be-fehle, welche an Untergebene der verschiedensten Bildungsstufen ergehen,müssen schnell und vollständig verstanden werden und dürfen die Kenntnisder Kurzschrift nicht voraussetzen«.
Der Beweis, dass die Stenographie, ohne ihre höchste Aufgabe, derschnellen Rede zu folgen, zu gefährden, selbst in den Elementarschulen ge-lehrt werden kann, ist bereits in einem System in Deutschland und in zweiSystemen in Frankreich geliefert worden. Infolge dessen hat sich derInternationale Stenographen-Congress in Paris dahin ausgesprochen, dassdie Stenographie in den Elementarschulen einzuführen sei. Große und nütz-liche Bestrebungen können durch Gegenströmungen wohl verzögert, abernicht beseitigt werden und daher darf man sich der Hoffnung hingeben, dassdie Stenographie, welche sich bisher den Ruf einer nützlichen Neben-schrift erworben hat, weiter gedeihen und den ihr zukommenden Rang alsHaupt- und Allgemeinschrift erlangen wird, denn dann wird das Ver-hältnis von Sprache und Schrift nach wissenschaftlichen und praktischenGrundsätzen befriedigend geregelt sein.
Uebrigens ist diese Frage, welche in Europa so viel Streit hervorgerufenhat, in Amerika im vorigen Jahre (1893) in der einfachsten Weise gelöstworden, indem die französischen Missionäre den Indianern Lesen und Schreibenmittelst Duploye's Stenographie lehren.
Amerika, du hast's doch besser,Als unser Continent, der alte.
Litteratur.
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