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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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4 Schrift und Sprache.

Durch die verschiedenen Systeme der Stenographie, welche im Nach-schreiben von Reden erprobt wurden, ist die Möglichkeit, demschnellsten Worte mit der Schrift zu folgen, erwiesen worden.Hätte die Kurzschrift keine andere Aufgabe, so wäre ihr Ziel erreicht unddas Aufstellen neuer Schriften wäre schon lange überflüssig geworden.Aber die Stenographen, nicht damit zufrieden, sich ob ihrer Handfertigkeitals Schreibkünstler anstaunen zu lassen, haben das Bedürfnis nach Schnell-schrift in weitere Kreise getragen und die wissenschaftliche Schrift-frage immer wieder angeregt; sie haben damit Wünsche entfacht, welchedie früheren Systeme nicht erfüllen konnten, und diese neuen Fragendrängen zur Lösung.

Die wissenschaftliche Frage konnte erst in neuerer Zeit ernstlichin Angriff genommen werden, seit die Sprachwissenschaft und die-Physio-logie die Natur der Laute und ihre Verwandtschaft klar gestellt haben. Beidieser Gelegenheit haben Physiologen, wie Brücke und Merkel selbst neueSchriften aufgestellt, aber diese sind weitläufiger als die Currentschrift,mussten daher von den Stenographen bei Seite gelassen werden, wie sieauch von anderer Stelle bei. Seite gelassen worden sind. Jedenfalls stand beidiesen Gelehrten die Schaffungskraft nicht im Einklang mit ihrem Wissen,sie hätten vielleicht Brauchbareres geschaffen, wenn sie sich mit dem aufdem Gebiete der Stenographie Geschaffenen vertraut gemacht hätten. Daherwäre es auch sehr irrig, aus diesen Fehlgriffen zu schließen, d a s s dieKurzschrift wissenschaftlich nicht behandelt werden könne.

Die Currentschrift, welche der Sprache nachhinkt, konnte der Wissen-schaft entbehren, ebenso jede Stenographie, welche mit Gewaltmitteln dieWörter verkürzt, aber nicht jene Schrift, welche bei vollständigerBezeichnung dem massig schnell gesprochenen Worte folgtund dem schnell gesprochenen mit logischer Vereinfachungnacheilt, denn eine solche Schrift kann nur entstehen, wenn die Zeichensich leicht und schnell zu einem lautlich vollständigen Wortbilde vereinigenund diese Wirkung kann nur erzielt werden, wenn die Ursachen, die Zeichen,geeignet sind, alle jene Verbindungen einzugehen, welche ihre Laute ein-gehen. In diesem Falle wird die schaffende Kraft, nämlich die Wissenschaft,so wenig hervortreten, dass der Lernende sie kaum merkt, dass erfür natürlich hält, was Kunst und Wissenschaft geschaffenhaben.

Dadurch unterscheidet sich die echte Wissenschaft vonder falschen, die aus der Grammatik ihre Ausdrücke entlehnt, mit Stamm-silben nnd Formsilben, mit Anlaut, Inlaut und Auslaut, mit Declination undConjugation etc., viel Geschrei macht, um regelwidrige Verbindungen undwillkürliche Abkürzungen zu verdecken und die glauben machen will, durchdie Stenographie lerne man die Sprachregeln erkennen. Diese falscheWissenschaftlichkeit der Stenographie ist von Dr. Steinbrink gebürendbeleuchtet worden.

Durch die Agitation der Stenographenvereine, begünstigt durch das inneuerer Zeit allgemein gewordene Streben nach Zeitersparnis, hat dieStenographie gegenwärtig noch in dem unvollkommenen Zustande, wosie die Currentschrift noch nicht ersetzen kann, eine große Verbreitungerlangt. Aber der Nutzen, den sie in vielen Lebenslagen unläugbar bietet,wird durch die Nothwendigkeit der Uebertragung in Currentschrift, welcheeine doppelte Arbeit verursacht, so abgeschwächt, dass im Jahre 1866ein Gabelsberger'scher Stenograph, August Kretschmar, den Beweis der