V
heit tadeln, wenn seine Schrift durch verwickelte Regeln kürzer ist,er wird die Schrift schwer lesbar finden, weil sein Auge nicht darangewöhnt ist, und vor allem wird er sie zum Nachschreiben wenigero-eeignet finden, weil er mit der neuen ungewohnten Schrift nicht soschnell schreiben kann als mit seiner alten gewohnten. Es ist all-gemein bekannt, wie in Deutschland sich die Stenographiesystemevon Gabelsberger und Stolze und wie beide vereint alle neueren Systemebekämpfen; aber auch in England erklärte Herr Thomas Allen Reedals Vorsitzender des ersten internationalen Stenographen-Congresses,dass der Furor theologicus von dem Furor stenographier übertrof-fen werde und er bezeichnete es als einen Fortschritt der Zeit, dasssich zu dem Congresse die Vertreter der verschiedensten Systeme
r „^ on hatten, dass man somit zu der Überzeuguno- p- e -zusammengefunden naru-ii, u<* _ s & s
kommen sei, es könne jemand nach einem anderen Systeme die Ste-noo-raphie schreiben und doch nicht nur ein tüchtiger Stenograph,sondern sogar auch ein achtenswertes Mitglied der Gesellschaft sein.In Deutschland Hegt allen stenographischen Systemen eine cursiveForm zu Grunde, in England ist eine geometrische Schrift die vor-herrschende. Trotzdem es nun in England mehr Berufstenographengibt als in Deutschland, sind die deutschen Stenographen dochder Ansicht, die geometrische Schrift sei unschreibfiüchtig undzum Nachschreiben von Reden nicht geeignet, und bei dem erwähn-ten ersten internationalen Congresse gestand ein deutscher Steno-graph, Herr Bäckler aus Berlin, dass er mit Staunen bemerkt habe,mit welcher Leichtigkeit sich die Engländer der stenographischenSchrift bedienen. Es geht hieraus hervor, dass die Urtheile vonStenographen über die Verwendbarkeit einer Kurzschrift zum Nach-schreiben schneller Reden sehr abweichend von einander sind, unddas Gleiche gilt von der Frage der Erlernbarkeit und sonstigen denWert einer Schnellschrift bestimmenden Fragen.
Unter diesen Umständen kann es für die Geschichte der Steno-o-raphie keinen anderen Weg geben als den der naturwissenschaftlichenMethode, welche die stenographischen Systeme als wissenschaftlicheProbleme auffasst, von denen jedes das Recht hat, zu bestehen undentwickelt zu werden, und an welche sich nur e i n Maßstab anlegenlässt nämlich der der praktischen Logik, welcher vor allem untersucht,1 die aufgestellten Lehrsätze auch wirklich durchführbar sind. DiesenWe°- hat auch das vorliegende Werk eingeschlagen, und es will, ebensowie mein im Jahre 1887 in demselben Verlage erschienenes Buch »Histo-rische Grammatik der Stenographie«, auf welches ich vielfach unter»H Gr « verwiesen habe, die Handhaben dazu bieten, die oben er-wähnten Fragen zur Lösung zu bringen. Beide Werke sind gewisser-maßen als ein Ganzes zu betrachten: in der »Historischen Grammatik«