So ist es auch zu verstehen, daß Zille in einem Bildchen(siehe Bild 3) einmal indirekt gegen die Filme sich äußerte
— zugleich aber auch eine Anerkennung jenen Schauspielernaussprach, die seine Gestalten auf der Flimmerwand „ge-schoben" hatten.
Der Erfolg dieser Filme — sie mußten meist viele Wochenlang gespielt werden und waren in allen Filmtheatern Ber-lins und von ganz Norddeutschland zu sehen — bewies, wieecht die Zillekinder und -mädchens gespielt wurden — und
wie berühmt Zille ist . . .
#
Hat nun die Berühmtheit auch Zille manches von demgebracht, was eben jeder Berühmte über sich ergehen lassenmuß: Belästigung durch die Organe der Öffentlichkeit,Hineinströmen aller möglichen und unmöglichen Menschenin sein eigenes Heim, neugieriges Hineinstarren in seinLeben, in sein alltägliches Gehaben, in sein Tun und Lassen,Hineindrängen in sein innerstes Wollen und Nichtwollen —und nicht zum wenigsten auch das Hereinzerren seiner Per-sönlichkeit in die Öffentlichkeit und in den Vergnügungs-rummel von Groß-Berlin (siehe den Zilleball und die herbenWorte, die er im Kapitel von den Zillefesten über ihn sagt)
— er hat sich gewiß mit diesen Unannehmlichkeiten abge-funden und ist gewiß froh darüber, daß er auch dort be-rühmt geworden ist, wohin ihn seine menschlich stets mit-empfindende Künstlerseele gezogen hat:
Beim Volk, bei den Schichten, die in den dumpfen Win-keln und Mietskasernen wohnen. Von den Auswirkungen indiesen Kreisen mögen die Abschnitte „Zille in der Liebe desVolkes" und „Zille und seine Modelle" künden.
Aber nicht nur bei ihnen, denen er durch seine unge-schminkten Schilderungen gedient und geholfen hat, ist erberühmt geworden. Er wird auch weiter berühmt bleiben alsjener Meister, der das Volk unserer Tage mit der größtenLiebe dargestellt hat.
69