Druckschrift 
Das Zillebuch : mit 233 meist erstmalig veröf. Bildern
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

minister bestätigt worden. Verhülle, o Muse, dein Haupt!' "(Siehe Bild 10.)

Diese Worte zündeten derart, daß die Mitglieder in stür-mischem Beifall Zille umringten.

So unakademisch war wohl selten ein neues Mitglied be-grüßt worden. Dann aber mußte er als jüngster Akademiker,trotz seiner Sechsundsechzig Jahre, die Blechbüchse in dieHand nehmen und die Stimmen für seine Wahl von Mitgliedzu Mitglied einsammeln. Bei dieser Arbeit meinte er:

Na, det jeht ja noch. Aber muß ick als Lehrling nuooch den Schnaps for de andern holen?"

Die Sitzung wurde schleunigst aufgehoben und wo-anders weitergetagt, wo es gemütlicher war als in der Aka-demie.

*

Viel Freude hatte Zille durch andere Folgen seiner Be-rühmtheit. Die Pfefferkuchen, die nach seinen Bildern her-gestellt wurden (siehe Bild i und die diesem Kapitel bei-gefügten Abbildungen), brachten gewisse heimatliche Schwin-gungen ins Berliner Weihnachtsfest. Und die vielen Film-stücke, die unter Berufung auf Heinrich Zille über dieFlimmer-Leinwand gingen, haben seinen Ruf ebenso aus-genutzt wie gefördert. Bei einigen hat er mit geholfen durchSzenenentwürfe und Figurinen. So z. B. beim Film vomfünften Stand. Das reizte ihn sogar zu einer Zeichnung, aufder viele seiner Typen vor einem Kintopp erschienen undsagten:

Das sind wir ja alle!"

Manchen Schauspielern gaben diese Zillefilme auch Ge-legenheit, sich erst richtig zu entfalten, mehr auf der Lein-wand als auf der offenen Bühne zu zeigen. Heinrich Georgebewies eine tragische Wucbt in dem von Carl Boese ausge-zeichnet gestellten Film:Kinder der Straße", die man ihmbisher nicht zugetraut und die man auch den GestaltenZilles, dem Berliner Volk nicht zugetraut hatte. Aber es hatganz gewiß auch seine tragische Größe in sich . . .

68