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Versuch einer Theorie des Märchens
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Das Weiterleben der alten Götter als Dämonen. 189

Ogmios ein Hercules Ogmius usw. (Maury, 4); in deutschen Landen,wo es (D. M., I, 99)der Darstellungsweise der Römer weit mehrangelegen war, durch freie Übersetzung (der Götternamen) halbeDeutlichkeit zu erreichen, als durch Beibehaltung barbarischer Aus-drücke der Nachwelt einen Dienst zu erweisen", übertrugen sie einfachdie Namen ihrer Götter auf die der Deutschen, und daß dies unsereVorfahren richtig verstanden, erhellt aus der Tatsache, daß sie frühschon anfingen, den Ursprung der römischen Wochentagsnamen aufihre Götter zu beziehen (D. M., I, 106).

Als aber dann das Christentum mit seinem einigen Gotte kam,da wurden die Götter der Griechen und der Römer, die eigenen unddie fremden zu Dämonen, zu Teufeln, denen jede Möglichkeit, dieWelt weiter zu täuschen, genommen werden mußte. Um HeinrichHeine zu zitieren, der sich auf seinVulgarisieren alter Ideen" soviel zugute tut, daß er die Schriftsteller tadelt, die sich zwar durchseine Winke haben anregen lassen, aber seinen Namen verschwiegen,so erklärte die Kirche die alten Götter keineswegs, wie es die Philo-sophen getan hatten, für Chimären, für Ausgeburten des Lugs unddes Irrtums, sondern sie hielt sie für böse Geister, die, durch den SiegChristi von dem Lichtgipfel ihrer Macht gestürzt, jetzt in dem Dunkelalter Tempeltrümmer oder Zauberwälder ihr Wesen trieben. Derhl. Nikolaus von Myra erkannte in der Gestalt einer Nonne die ne-fanda, die impudica Diana, die es, vergeblich, versuchte, sich an ihmzu rächen, weil er einen Baum, unter dem ihr Opfer gebracht wurden,hatte umhauen lassen (Leg. aur., 24 f.). Der in Italien erzogene hl.Martin verstand es' trefflich, die Dämonen zu erkennen, gleichviel,ob sie sich ihm unter der Gestalt von Juppiter, Merkur, Venus oderMinerva zeigten; der widerwärtigste war ihmMerkur, und Juppiter nannteer roh und dumm (ebend., 747). Der in Limoges geborene hl. Eligius,Bischof von Noyon (f 659), predigte, niemand solle sich unterstehen,an die Namen von Dämonen wie Neptun oder Orcus oder Diana oderMinerva oder Geniscus (?) oder andern Unsinn zu glauben oder sieanzurufen (D. M., III, 402), und Thomas von Chantimpre' erzähltum die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts De puero gentili a Neptunoocciso, qui revixit et postea Praedicatorum ordini sociatus est (Bonumuniversale de apibus, 1. II, c. 57, § 11; W. A. van der Vet, Het bienboec,1902, 159 f.). Gemäß dem hl. Augustinus, nach dem (De civitate Dei,1. V, c. 12) die alten Römer deos falsos colebant et non Deo victimassed daemoniis immolabant, läßt um 1180 der Pariser Theolog undOxforder Erzdiakon Walter Mapes einen Teufel erklären: Nos anti-quitus populi decepti dixere semideos aut semideas, pro forma corporisassumpti vel apparitionis nomina ponentes discretiva sexus, und weralles zu dieser Gesellschaft gehört, erfahren wir aus dem folgendenSatze: Ex locis autem incolatus vel permissis officiis distinctius appel-lamur Monticolae, Silvani, Dryades, Oreades, Fauni, Satyri, Naiades,quibus ex eorum impositione praesunt Ceres, Bacchus, Pan, Priapus,et Pales (Nugae curialium, dist. IV, c. 6; ed. Th. Wright, 1850, 157).Dürfen wir uns da wundern, daß der schon erwähnte BenediktinerWilhelm von Malmesbury und später Männer wie Vinzenz von Beauvaisund der hl. Antoninus, beide Dominikaner, bis zu den Jesuiten Simon