184 Die Äpfel Idhuns.
zustellen, daß dieses sizilianische Märchen von Laura Grenzenbachstammt (n° 13) und 1867 oder 1868 aufgezeichnet worden ist ? DieJungfrau hat dann das Wasser (des Lebens) „in drei Flaschen auf-bewahrt"; soll auf diesem ausgefallenen Zug vielleicht Odhins drei-maliger Trunk beruhen ?
Sollen wir noch hervorheben, daß Von der Leyen durch denGott, der für einen großen Dienst einen geringen Lohn will, an denStarken Hans des 90. Grimmschen Märchens und an manchen bravenSoldaten, wie den Bärenhäuter, „erinnert" wird ? Sollen wir etwagar einen Exkurs der Behauptung widmen: „Die Manipulation desGottes mit den Knechten" (die einander, indem sie alle nach demvon Odhin in die Luft geworfenen Wetzstein haschen, die Gurgelnabschneiden) „ist auch ein ganz altes Märchenmotiv"? Vielleichtgenügt die Feststellung, daß schon Unland (VI, 216 f.) auf denKadmos-Mythos hingewiesen hat, wie ihn Apollodor nach Pherekydeserzählt, und auf die Ovidische Darstellung, deren silex dem Wetz-stein entspricht: damit wäre das „ganz alte" erledigt; für das„Märchenmotiv" ist wohl der älteste Beleg das fünfte Stück des Weg-kürzers von Martin Montanus (1557), das die Brüder Grimm alszweite Hälfte ihres 20. Märchens aufgenommen haben, aber daß es,ebenso wie das von der Tötung durch einen Mühlstein, kein Märchen-,sondern ein Gemeinschaftsmotiv ist — Uhland spricht von einemalten Sagenzug und nennt in diesem Zusammenhange noch die9. Historie von Eulenspiegel •—-, liegt auf der Hand. Ein Gemein-schaftsmotiv aber ist auch die Verweisung eines Fragenden oderSuchenden an andere, ältere, ein Gemeinschaftsmotiv die Bestechungdurch das Geschenk bessern Werkzeugs, ein Gemeinschaftsmotiv derkleine Lohn für große Dienste, und das einzige von all den angeblichaus den Märchen von dem Wasser des Lebens stammenden Motiven,das heute wirklich als Märchenmotiv angesprochen werden kann, ebendas von dem Wasser des Lebens, das dem von dem Göttertrank ver-gleichbar ist, dieses einzige richtige Märchenmotiv läßt Von der Leyen,obwohl es für ihn als solches seit Jahrtausenden existiert (s. oben S. 60),durchaus außer Acht —, weil er damit die Entstehung aus demMärchen, die er für die Bragaroedhur behauptet, auch schon für die Er-zählung der Havamal zugeben müßte, womit seine These von der Märchen-losigkeit der Germanen vor dem elften Jahrhundert erledigt wäre.
Konsequent also ist Von der Leyen nicht. Die Äpfel der Idhunsind ihm (Märchen in der Göttersage, 33) „ursprünglich gewiß eineFrucht der Unsterblichkeit, die vor Tod und Alter schützt; eineFrucht, wie sie sich natürlich viele Völker für ihre Götter erfinden,die (wohl die Äpfel) im Märchen ebenso oft wiederkehren wie etwadas Wasser des Lebens"; dieser Auffassung, die es verlangt, daß dieÄpfel der Idhun ebenso, wie das Wasser des Lebens, also keineswegsals eine Entlehnung aus einem Märchen behandelt werden, entspricht,daß es ihm als „eine Frage von ganz untergeordneter Bedeutung"erscheint, „ob diese Früchte unter dem Einfluß klassischer Sagenund vor allen Dingen einer irischen Sage von den Hesperidenäpfelnzu goldenen Äpfeln wurden." Dreizehn Jahre später aber (DeutschesSagenbuch, I, 208 f.) ist die Stelle von der Frucht, die für die Götter