Auf der Suche nach Spuren einer Wanderung durch den Volksmund. I7 1
Verbreitung dorthin verstehen wollten. Es bleibt uns also zur Erklä-rung nichts übrig, als der „gewisse Wanderdrang der Märchengebilde",den Krohn hervorhebt, und die Betätigung dieses Dranges bei dem„gegenseitigen Verkehr der Individuen und der Völker", der dieMärchen nach Aarne von einem Volke zu dem andern brächte.
Nach den Lehrsätzen der Finnischen Schule wäre es nun, auchwo es sich um so weit zurückliegende Zeiten handelt, durchaus möglich,daß heute noch Spuren dieser Wanderungen zu entdecken, daß nämlichnoch in der Gegenwart mündliche Überlieferungen vorhanden wären,die uns wenigstens eine Andeutung des Weges, den die ersten Über-lieferungen genommen hat en, geben könnten; mit andern,verständlichemWorten: es wäre möglich, daß sich z. B. das Märlein von der Schlangein dem Leibe des Prinzen, aus dem in Italien oder vielleicht schonvorher in Kleinasien das sogenannte Märchen von dem Frosche indem Leibe der Königstochter geworden ist, an irgendeinem Punktedieser Wanderung festgesetzt hätte und dort lebendig geblieben wärebis zu dem heutigen Tage. Wir haben also zu untersuchen, ob solcheGegenwartsgeschichten aufgezeichnet sind, und, siehe da, gleich zudiesem Märchen finden wir eine moderne Parallele, nämlich in dem13. der Griechischen Märchen von J. G. von Hahn, aufgezeichnetim Epirus; daß es verdorben ist — der Retter der Königin muß mitder Kröte in deren Leibe, da keine Artgenossin von ihr da ist, selbersprechen —■, hätte nichts zu bedeuten, aber es bleibt das einzige,und wenn wir schon annehmen wollten, daß die noch unverdorbeneörtliche Überlieferung, aus der es sich in einem halben Jahrtausendentwickelt hätte, zu Sercambi gelangt wäre, so bliebe noch immerdie Verbreitung von Südindien nach Nordgriechenland zu erklären.Unsere prinzipiellen Einwände weiter wollen wir hier vorläufig nochzurückstellen, aber bei der Verbreitung von Mann zu Mann könntediese Fixierung auch ganz anderswo geschehen sein als in Wisianiim Epirus, und die dort aufgezeichnete Fassung könnte ebenso gut,wie eine Zwischenstation auf dem Wege nach Italien, auch die End-station eines Weges sein, der von dem Hauptwege irgendwo in nörd-licher oder südlicher Richtung abgezweigt hätte. Zu der andern NovelleSercambis, d. i. der, die der Rahmenerzählung von TausendundeinerNacht entspricht, kennen wir überhaupt keine auch nur halbwegsvollständige volkstümliche Parallele, und das Märlein aus dem Antili-banon bei G. Bergsträßer, Neuaramäische Märchen, 1915, 27 f., dasin seinem zweiten Teile zu einer Episode abbiegt, deren Hauptmotivsowohl der italienischen Version, als auch den zwei arabischen gemeinsamist, aber auch in Heinrich Frauenlobs Gedicht vorkommt, nämlichzu dem Weibe im Kasten, gemahnt dabei, da das Weib ihren Buhlenin den Kasten mitgenommen hat, eher an die alten indischen Vorlagen.Sein erster Teil wieder, der die Episode von dem blumenlachendenMann bringt, könnte über den Weg, der diese zu Heinrich von Neustadtgeführt hat, auch dann keinen Aufschluß geben, wenn er nicht, wiees wahrscheinlich ist, auf Nechschebi oder einem andern Bearbeiterder Sukasaptati beruhte, der jedenfalls später geschrieben hat alsder österreichische Dichter, und dasselbe oder Ähnliches gilt auch,ganz abgesehn von ihrer Abseitigkeit, für die Erzählung, die W. Radioff