durch Benützung eines Motivs einer mohammedanischen Legende, 137
allensamt das Amt des Leichenbestatters übertragen wird, müsseneinen gemeinsamen Ursprung haben; wo ist aber dieser zu suchen ?
Nun: Zumindest dem zehnten Jahrhundert, wahrscheinlich abereiner viel frühern Zeit gehört das arabische Buch der tausend Fragenan, das eine Art Religionsgespräch zwischen Mohammed und einerjüdischen Abordnung darstellt: der Prophet gibt auf all die Fragen,die ihm die Juden vorlegen, um ihn auf seine Rechtgläubigkeit zuprüfen, die richtigen Antworten, und so endet das Buch, indem derFührer der Abordnung 'Abdallah ibn Saläm das islamische Glaubens-bekenntnis spricht. Über dieses Buch hat G. F. Pijper gehandelt(Het boek der duizend vragen, 1924), hat die ihm bekannten arabischenHandschriften und auch zwei in Kairo erschienene moderne Druckebeschrieben, sich sodann den Bearbeitungen in andern orientauschenSprachen zugewandt (Persisch, Hindustani, Türkisch, Javanischund Malaiisch) und schließlich eine malaiische Fassung abgedruckt.Wesentlich für uns ist Pijpers Feststellung, daß die älteste Form,in der uns das Buch vorhegt, die lateinische Übersetzung ist, die imJahre 1143 ein gewisser Hermannus Dalmata für Petrus Venerabilis,den berühmten Abt von Cluny, verfaßt hat und die zum ersten Malegedruckt ist in Theodor Biblianders Sammelwerk Machumetis Sarace-norum principis, eiusque successorum vitae, ac doctrina, ipsequeAlcoran, Basel, 1543, I, 189—200; zu der Grundlage seiner Unter-suchung nimmt Pijper denn auch keine der zumeist ganz jungen Hand-schriften, sondern die Übersetzung Hermanns, „weil sie unmittelbarauf ein arabisches Original zurückgeht, dessen hohes Alter verbürgtist" (40).
In diesem Buche der tausend Fragen, das bei Bibliander DoctrinaMachumet heißt, gibt Mohammed auf die Frage der Juden, wer diezwei Männer seien, deren Grab man nicht kenne, die Antwort: „Abitabil,et Moyses" und erklärt sie so (194):
Ibetabil quidem cum mortem praesentiret, iniunxit, ut post obitumcamelus superposito funere suo impelleretur ad eundum, quocunquesors duceret, euntemque sequerentur, quousque sponte procumberet.Sic facto, ubi funus ab Ibetabil deferens camelus procubuit, fodiendorepertum est monumentum, quod Noe praeparavit Abitabil. Sepultoitaque amissus est locus, nee unquam postea repertus.
Den nun folgenden zweiten Teil von Mohammeds Antwort, dersich auf Mose bezieht, können wir in diesem Zusammenhange über-gehen; die Stelle in dem Berichte über Moses Tod (5 Mose, 34, 6),.Niemand kennt sein Grab bis auf den heutigen Tag" hat der jüdischenLegende Stoff genug geboten (s. M. J. bin Gorion, Die Sagen derJuden, Mose, 1926, 373 und 390), aber zu der Art, wie ihn der Todes-engel überlistet, kann ich keine Parallele angeben, und ebenso wenighaben die Fachleute, an die ich mich wandte, die Grundlage der Legendevon jenem Abitabil oder Ibetabil finden oder auch nur seinen hebräischenoder arabischen Namen feststellen können. Wir haben uns, wenigstensvorläufig, mit der Tatsache zu begnügen, daß in dem Buch der tausendFragen, das ja dartun soll, daß die Lehren Mohammeds mit dem, wasder junge Islam für Glaubenslehren der jüdischen Religion hielt, durch-aus übereinstimmten, auch eine Legende Aufnahme gefunden hat,