das entsprechende Grimmsche Märchen. 133
besaßen, führten immer einen Frosch im Wappen, und heute nochgibt es welche mit Fröschen in den Wappen und den Emblemen. Alsich ein Hahn war, trug ich den Schatz, da das Geschlecht der Frösche*)ausgestorben war, nach Gallien und brachte ihn in die Tempel derStadt Toulouse. Zu der Zeit Scipios wurde er späterhin geraubt, aberer war ein schlechter Schatz für den, der ihn nahm; denn in Wirklich-keit gehörte er den Feen (era delle fate), die nicht wollten, daß erberührt würde.
Antonfrancesco Doni behauptet einen hohen Rang in der Listeder Plagiatoren, und wenn auch nicht geleugnet werden kann, daßer hin und wieder originell ist, so ist er dies keineswegs auch bei denvon ihm jeweils eingeschalteten Novellen**). Es ist also wohl anzu-nehmen, daß Doni auch hier einen andern ausgeschrieben hat, undvielleicht wird man einmal irgendwo das Modell dieses Märchens vonder durch einen Bogenschuß gewonnenen Froschbraut finden; wennman es aber findet, so darf man sicher sein, daß es an Motiven nichtwesentlich mehr aufweisen wird als die Nachahmung. Natürlich istfür Donis Vorlage eine orientalische Quelle nicht ausgeschlossen, abersolange weder diese, noch das Mittelglied zwischen ihr und der FassungDonis entdeckt ist, haben wir uns mit der Fassung Donis als der ältestenjenes Märchens abzufinden, das in den Kinder- und Hausmärchenjetzt als n° 63 steht und den Titel Die drei Federn trägt. Es liegt unsnatürlich ferne, regelrecht zu untersuchen, wie sich dieses Märchenund seine vielen Parallelen aus der italienischen Grundform entwickelthaben könnten oder müßten, ob Zwischenformen anzunehmen sind,ob die modernen orientalischen Varianten auf europäische Erzählungenzurückgehen usw.; wir wollen hier nur feststellen, daß nach der Er-mittelung der italienischen literarischen Fassung das Märchen derMadame d'Aulnoy La chatte blanche samt seinen zahlreichen Derivatennicht mehr, wie es Bolte-Polivka (II, 34 f.) und Emm. Cosquin (Lescontes indiens, 309 f.) getan haben, zu unserm Märchen gestellt werdendarf, und uns ansonsten mit der Aufgabe beschäftigen, die demMärchenpfleger zufiel, als das Märchen in die deutschen Lande Ein-gang fand.
Dies dürfte nicht allzu lange vor dem Jahre 1800 gewesen sein;denn 1801 erscheint bereits eine deutsche Fassung in den in Braun-schweig herausgekommenen Feenmärchen. Leider sind die Angaben,die in den Anmerkungen zu der n° 63, aber auch in der den Anmerkungenangehängten Übersicht über die deutsche Märchenliteratur zu dieserDarstellung gemacht werden, allzu dürftig, als daß man ein Bild überden Inhalt gewinnen könnte, und dasselbe gilt leider auch von derAusgabe Boltes und Polivkas. Immerhin kann aus dem Umstand,daß Wilhelm Grimm (1812, Anhang XUII; 1822, 415; 1856, 331;Bolte-Polivka, II, 32) nur die Abweichung in einem für uns neben-sächlichen Zuge hervorhebt, geschlossen werden, daß dieses Märchenvon 1801 im großen und ganzen so ziemlich mit dem den zwei Hauptfas-sungen der Brüder Grimm Gemeinsamen übereinstimmen wird.
*) Erst aus dieser Stelle ersieht man, daß das Mägdlein, dem der Jünglingvermählt worden ist, ebenso eine Fröschin war wie die gütige Nymphe.**) A. Wesselski, Angelo Polizianos Tagebuch, XLI i.