I3 2 i Ein Märchen aus dem sechzehnten Jahrhundert und
und Marcus Antonius getragen hat, dann ein Hahn und eine Fröschin,und als ihn Momus fragt, was er als Fröschin getan habe, gibt er dieselbstbewußte Antwort: „Weißt du denn nicht, was für ein Heirats-gut ich jenem schönen Jüngling gegeben habe, der, wie Plutarchschreibt, ein ebenso trefflicher Bogenschütz war wie seine zwei Brüder ?"Momus natürlich weiß von diesen Geschichten nichts, und so erzähltihm der Pellegrino (wir geben die Erzählung nach der Ausgabe Venetia,1583, 125 f. wieder, indem wir auf die Beibehaltung der Gesprächs-form verzichten):
Ein Vater hatte drei Söhne, die ausgezeichnet mit der Armbrustschössen und Schuß um Schuß in einem großen Fasse den Boden ge-troffen hätten. Als sie in das Alter, wo man ein Weib nimmt, gekommenwaren, wurden sie, wie Plutarch an dem Ende seiner Vitae schreibt,auf einen Turm gestellt, und jeder sollte mit seinem Bogen eine Kugel(ein ^Bällchen) in ein beliebiges Haus schießen, aus dem er, sodort -Mädchen wären, seine Frau haben wollte. Die ersten zweischössen, wohin sie wollten, und jeder bekam die Frau, die er wünschte;der dritte aber hatte kein bestimmtes Ziel, und so schoß er aufsGeratewohl, und während er glaubte, die Fersen zu treffen, hätte erfast die Nase getroffen*): er schoß in einen Pfuhl voller Frösche.Nun denkt einmal, wie ihn die Leute auslachten! wie sie sagten:Ach, welch trefflicher Schütz! Ach, was für ein prächtiger Freiers-mann! gebt ihm eine Fröschin zur Frau! Der Vater brummte denganzen Tag mit ihm und lobte die andern, die so gut gezielt hatten.Verzweifelt ging der arme Junge eines Nachts zu dem Pfuhl und begannzu klagen und bitterlich zu weinen. Da verwandelte ich mich, dieich eine Fröschin war und alle Geheimnisse kannte, in eine schöneNymphe, trat hin zu ihm und führte ihn in eine andere Welt, wohinalle kommen, die auf dem Meere Schiffbruch leiden; und ich ver-mählte ihm ein schönes Mägdlein, eines der schönsten Mägdlein, diees je gegeben hat, und als Heiratsgut gab ich ihm eine Nuß und nichtssonst. Und nach einer Zeit, die er in Freuden und Wonnen verbrachte,führte ich ihn an den Ort zurück, woher ich ihn geholt hatte, undtrug ihm auf, die Nuß nicht selber zu öffnen, sondern sie von seinemVater zerbrechen zu lassen, und so verließ ich ihn samt dem herrlichbekleideten Mädchen. Diese gefiel dem Vater sehr, und als er allesgehört hatte, wie es zugegangen war, fürchtete er sich, die Nuß zuzerbrechen, weil er davon irgendein arges Unglück gewärtigte. Daihm aber alle zuredeten, fügte er sich und warf sie eines Tages, alssie bei Tische saßen, auf die Erde. Und in demselben Augenblickesprangen aus der nun offenen Nuß, die ein Zauberding war (la quäleera fatata), Fräulein, Diener, Pferde, eingerichtete Paläste, und sieselber fanden sich, ohne daß sie sich von dem Tische gerührt hätten,an einer köstlichen, reichen Tafel, voll von Gerichten und Silber-geschirr. Und ich könnte nicht erzählen, was das alles für Schätzewaren, und sie waren so groß, daß sie und ihre Kinder und Kindes-kinder ihr Lebelang genug hatten. Und alle, die diese Schätze
*) Zu dieser Anspielung vgl. Mich. Lindener, Katzipori, 1558, n° 1 (hrg.v. Fr. Lichtenstein, 1883, 67 f.) und Otho Melander, Jocorum atque seriorumliber primus, n° 637 (Lichae, 1604, 631 f.).