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Versuch einer Theorie des Märchens
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112 Strohhalm, Kohle und Bohne: die literarische Fassung und ihre Verwendung.

wider. Ein glüend kol sprang beiir nider; Ein strohalm lag ongferdabei: Die kamen zamen alle drei.Der strohalm sprach:Ir liebenfreund, Von wannen komt ir beidjetzund?" Da sprach die kol:Mir ist gelungen, Daß ich binaus dem feur entsprungen; Woich mit gwalt nit wer entrunnen,Ich wer zu aschen gar verbrun-nen, So wenig tut man eins ver-schonen." Desgleichen fragtensauch die bonen; Sie sprach:Demalten bösen weibe Entkam ichkaum mit gsundem leibe j Wo siemich auch in topf het bracht,Het gwiss ein mus aus mir ge-kocht." Der strohalm sprach:Der maßen auch Het sie einfeur und grossen rauch Aus allenmeinen brüdern gmacht, Ir sech-zig auf einmal umbbracht, Undbin ich von denselben allen Irongefer allein entfallen. Drumb,weils uns allen dreien glückt, Istsgut, dass eins zum andern rückt,Und uns verbinden mit einandern,Und alle drei zusamen wandern,Von solchem unglück zu ent-fliehen, Fern hin in fremde landeziehen."

Und stunden auf in einem sinUnd zohen mit einander hin.Bald kamens an ein kleine bach;Der strohalm zu der gsellschaftsprach:Hie han wir weder brücknoch steg; Auf daß wir dennochkommen weg, Wil euch zu gutmich des erwegen, Zwergs überdise bach zu legen. Ir all beidüber meinen rücken Mögt gen wieüber eine brücken, Wenn ich mich

Topf schüttete, entfiel ihr unbe-merkt eine, die auf dem Bodenneben einen Strohhalm zu liegenkam; bald darnach sprang aucheine glühende Kohle vom Herdzu ihnen herab. Da fieng der Stroh-halm an und sprachliebe Freun-de, von wannen kommt ihr her?"Die Kohle antworteteich binzu gutem Glück dem Feuer ent-sprungen, und hätte ich das nichtmit Gewalt durchgesetzt, so warmir der Tod gewiß; ich wäre zuAsche verbrannt." Die Bohnesagteich bin auch noch mitheiler Haut davon gekommen,aber hätte mich die Alte in denTopf gebracht, ich wäre ohneBarmherzigkeit zu Brei gekochtworden, wie meine Kameraden."Wäre mir denn ein besser Schick-sal zu teil geworden ?" sprach dasStroh,alle meine Brüder hat dieAlte in Feuer und Rauch auf-gehen lassen, sechzig hat sie aufeinmal gepackt, und ums Lebenge-[ii5]bracht. Glücklicherweisebin ich ihr zwischen den Fingerndurchgeschlüpft."Was sollen wiraber nun anfangen ?" sprach dieKohle.Ich meine," antwortetedie Bohne,weil wir so glücklichdem Tode entronnen sind, sowollen wir uns als gute Gesellenzusammenhalten und, damit unshier nicht wieder ein neues Un-glück ereilt, gemeinschaftlich aus-wandern und in ein fremdes Landziehen."

Der Vorschlag gefiel den beidenandern und sie machten sich mit-einander auf den Weg. Bald aberkamen sie an einen kleinen Bach,und da keine Brücke oder Stegda war, so wußten sie nicht wiesie hinüber kommen sollten. DerStrohhalm fand guten Rat, undsprachich will mich quer überlegen, so könnt ihr auf mir wieauf einer Brücke hinüber gehen."