HO Strohhalm, Kohle und Bohne: die Vorlage und ihre Bearbeitung.
goldene Gans, die dreimal so umfangreich geworden ist; wie ihreVorlage usw., usw.; immer würden wir dieselben Beobachtungenmachen, die Hamann bei dem Vergleich der aus der Literaturstammenden Stücke mit ihren Quellen gemacht hat: wie Wilhelman den Vorlagen bastelte, wie er sie erweiterte, wie er Einzelheitenin liebevoller Darstellung zu kleinen Gemälden rundete, wie er derSprache, die gehört und nicht gelesen werden sollte, lebendigenKlang gab, wie er volkstümliche Sprach-Elemente anwandte, Wieder-holungen und Tautologien, Reimworte und Alliterationen, auch denPersonenwechsel im Monolog, dessen Volkstümlichkeit der BruderJacob mit den Worten charakterisiert hat: „Mit dem Ich redet derVerstand, mit dem Du redet Herz und Empfindung."
Hamann meint, für die Stilisierung der Märchen seien die dermündlichen Überlieferung entnommenen Stücke maßgebend gewesenoder, mit andern Worten, Wilhelm Grimm oder im Anfang vielleichtbeide Brüder hätten den Stil, in dem sie die literarischen Stückeerzählen, nach dem Muster der ihnen aus dem Volksmunde zuge-flossenen gebildet; das ist unrichtig, und in Einem Falle können wirsogar das Gegenteil nachweisen, daß nämlich die volkstümliche Dar-stellung der literarischen hat weichen müssen, d. h., daß WilhelmGrimm, nachdem ihm eine literarische Fassung bekannt gewordenist, den alten Text geändert und dieser angepaßt hat; es handelt sichum das in allen Auflagen 18. Stück. Wir stellen zuerst die von FrauWild in Kassel stammende Fassung, die die Brüder 1810 an ClemensBrentano geschickt haben — sie stammt von der Hand Wilhelms —■und ihre eigene Darstellung in der ersten Auflage einander gegenüber:
Lefftz, 39 f. (Faksimile der Hand- Kinder- und Hausmärchen, 1812,
schritt 41): 67:
Von dem Strohhälmchen, dem Strohhalm, Kohle und Bohne auf
Köhlchen und dem Böhnchen. der Reise.
Das Strohhälmchen, das Köl- Ein Strohhalm, eine Kohle und
chen und das Böhnchen die lebten eine Bohne schlugen sich zusam-
zusammen in Gesellschaft und men, und wollten gemeinschaftlich
wollten einmal eine Reise machen, eine große Reise machen. Sie
Als sie nun schon weit gegangen waren schon durch viele Länder
waren, kamen sie an einen Fluß gezogen, da kamen sie an einen
und wußten nicht, wie sie hinüber Bach ohne Brücke und konnten
gelangten. Da beschloßen sie, das nicht hinüber. Endlich wußte
Strohhälmchen sollte sich drüber Strohhalm guten Rath, er legte
legen und dann das Kölchen sich quer über und die andern
vorangehn und das Böhnchen ihm sollten über ihn hingehen, erst
folgen. Das Strohhälmchen legte Kohle, dann Bohne. Kohle ging
sich quer über, und das Kölchen breit und langsam darauf, Bohne
ging langsam drauf, und das Böhn- trippelte nach. Wie aber die
chen trippelte ihm nach. Wie Kohle mitten auf den Strohhalm
aber das Kölchen mitten auf das kam, fing er an zu brennen, und
Strohhälmchen kam, fing es an brannte durch, Kohle fiel zischend
zu brennen und brannte das Stroh- ins Wasser und starb, Strohhalm
hälmchen durch und fiel ins Waßer [68] floß in zwei Theile zerstückt