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Versuch einer Theorie des Märchens
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Io8 Sprachliche Änderungen an den Vorlagen der Kinder- und Hausmärchen.

Wilhelm Grimm, 1904, 237). Dies hat er am 29. Oktober 1812geschrieben; hätte er es noch 1819 aufrecht erhalten können, als seinBruder das Bäumlein, das das Aschenputtel in der ersten Auflageauf der Mutter Grab gepflanzt hatte, in der zweiten als ein Haselreisbeschrieb, das ihr der Vater von seiner Reise mitgebracht hat, weilsie sich das erste Reis gewünscht hatte, das ihm auf dem Heimwegan den Hut stoßen werde (Bolte-Polivka, I, 165, IV, 453)? Oderwie ist es mit dem Faulen Heinz (n° 164) ? Motivisch ist er von derdritten Auflage an, die ihn zum ersten Male enthält, unverändertgeblieben bis zu der fünften; in der sechsten aber hat er einen Schlußbekommen, der von der zur Hochzeit geladenen Schnecke erzählt,daß sie erst zur Kindstaufe angekommen ist, und während die Haupt-grundlage aus der Proverbiorum copia Eucharius Eyerings genommenist, stammt dieses Anhängsel, wie die Anmerkungen von 1856 (241)feststellen, aus den Briefen der Prinzessin Elisabeth Charlotte vonOrleans.

Mit Märlein dieser letzten Gattung, die aus gedruckten Textenstammen, beschäftigt sich eine Schrift von Hermann Hamann, einemSchüler Erich Schmidts: Die literarischen Vorlagen der Kinder- undHausmärchen und ihre Bearbeitung durch die Brüder Grimm (1906);es sind aber nicht so sehr motivische Änderungen, die Hamannbehandelt, sondern der Stil und der Ausdruck der Märchen (undMärlein), der natürlich nicht so sein konnte wie in den oft Jahrhundertealten Quellen. Für die aus dem Volksmund geschöpften Märchenwar diese Arbeit bis zu dem Erscheinen des Buches von Lefftz unmög-lich, aber auch jetzt wird sie nicht allzu reiche Ergebnisse liefern;einmal ist die Zahl von Aufzeichnungen, die die ölenberger Hand-schrift enthält, nur gering, weiter liegen auch diese meist schon inNiederschriften der Brüder Grimm selber vor, also nicht mehr inden ihnen eingesandten Fassungen, die natürlich auch schon Über-arbeitungen gewesen sein werden dies trifft auch auf die Geschichtenzu, deren Niederschrift Lefftz Gewährsleuten zuschreibt, womit erwohl die Helfer und Helferinnen der Brüder meint, und schließlichkennen wir die andern Fassungen, die die Brüder sehr oft, auch nachihrem Eingeständnis, benützt haben, entweder gar nicht oder nuraus von ihnen hergestellten Auszügen. Immerhin sind, auch ohneeine so genaue Untersuchung, wie die von Hamann hoffentlichwird dessen Buch bald ein Gegenstück erhalten, so viel Vergleichemöglich, daß wir uns auch, was die sprachliche Darstellung betrifft,ein Urteil über die Arbeitsweise der Brüder oder vor allem WilhelmGrimms bilden können. Einige Beispiele:

In dem Marienkind sind in der sogenannten Urfassung die Elterndes kleinen Mädchensso arm, daß sie es nicht ernähren konnten";in den Drucken aber sind sieso arm, daß sie nicht (mehr) das täglicheBrot hatten und nicht wußten, was sie ihm sollten zu essen geben".Den WortenIch bin die Jungfrau Maria" wird hinzugefügtdieMutter des Christkindleins", und die Schilderung, wie gut es dieKleine im Himmel hatte, wird durch die Bemerkung ergänzt, daßsie Zuckerbrot gegessen und süße Milch getrunken habe. Als dannalle Türen aufgeschlossen sind und nur die verbotene noch übrig ist,