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Versuch einer Theorie des Märchens
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0,6 Natursagen in den Kinder- und Hausmärchen.

ein Schalk, glaubte einen großen Balken zu sehen; dies hatte ihmein Faßbinder, der es auch nachher eingestand, durch den Teufel getan.Allgemein wieder ist die Sinnestäuschung in Grimmeishausens Wunder-barlichem Vogelnest, 1672 (zitiert bei Bolte-Polivka, III, 203), woauch die Mittel, sie zu erzielen, angegeben werden. Alle diese Geschichtennun bieten Parallelen nur zu dem ersten Teile des Grimmschen Textes,der die Bearbeitung eines Gedichtes von Heinrich Kind darstellt;eine bis auf den Glücksklee vollständige Form bringt aber schon1576 der Pfarrer Wolfgang Bütner, bekannt durch seine Historienvon Claus Narren, in der Epitome historiarum, 115 a f.: Zu Francken-hausen machte ein Zauberer viel Blendunge und Wesen, hefftete eineTaffei, die mit Kalch und Röthe gespriitzet, an eine Wand, und werdieselbe beschawete durch ein Löchlein, der sähe Wunder und Abentewer.Nun hatte er auch einen Hahn mit einem grossen und langen Baumin seinem Schnabel über den Marck in der Lufft lassen her fliehen,davon jedermann erschrack und sich hoch verwunderten. Eine Magdsähe den Hahn auch fliegen und sprach:Ich sihe nicht, das der Hahneinen Balcken, sondern ein Graßstenglein in seinem Schnabel schleiffet."Solchs verdros den Zauberer, und marckte die Magd. Am folgendenTage, wie er aber seine Teuffelsschule exercirte, kömpt die Magdmit einer Butten Graß beladen auff irem Rücken, wirfft sie von ir abvor allem Volck, hebet und schürtzet sich auff bis zum Nabel, als wütesie durch einen tieffen See oder Teich, und gieng also über den Marck.Die Leute sahen das Wunder; aber sie hatte keinen Menschen gesehen,und also hat ir der Zauberer gelohnet, weil sie seinen Fuhrmann, denJuckelhahn mit dem Haußträger, verspottet hatte. Diese Geschichtehat dann Praetorius wortwörtlich, also auch mit Beibehaltung vonFrankenhausen als örtlichkeit abgedruckt, und daß später im Volkedas Motiv von dem jeden Zauber abwehrenden vierblättrigen Kleehinzukam, ist auf den Umstand zurückzuführen, daß Praetorius seinenAbdruck als Anhang zu dem 1654 verfaßten Gedicht Refutatae super-stitiones aniles de tetraphyllo seu cytiso quadrifoliaceo gestellt hat(Bolte-Polivka, III, 201 n.) An diesem Beispiel kann man das literarischeWerden einer Sage von den Anfängen bis zu dem Abschluß der Ent-wicklung verfolgen, der nicht nur in dem Gedichte Kinds, sondernauch in einer ganzen Reihe von Aufzeichnungen aus dem Volksmundvorliegt; die Grimm haben ja den Schauplatz Kinds, der, allgemeingenug, mit Schwaben angegeben ist, weggelassen, aber durch dieseTilgung und durch die Verbesserung, daß der Zauberer seine Rachean dem Mädchen an deren Hochzeitstag übt, hat selbstverständlichaus der Sage kein Märchen werden können.

Die 18. Erzählung der Brüder, Strohhalm, Kohle und Bohne,als deren ältestes Vorkommen 1856 eine Fabel des Esopus von BurkardWaldis angegeben wird, ist nichts andres, als eine Parodie der GattungNatursage; ebenso wenig wie diese kann natürlich der von Hans Sachsnach Hans Folz gereimte Schwank von dem Ursprung der Affen auseiner Wahngeschichte mit naturdeutendem Schlüsse durch die Nach-erzählung in Prosa ein Märchen werden, und die Brüder Grimm selberbemerken zu ihrem Junggeglühten Männlein (n° 147):Neigt sichzu den Volksscherzen". Dasselbe hätten sie denn auch von all den