Aarnes Einteilung der Märchen. 9 1
un recit merveilleux et romanesque, dont le lieu d'action n'est paslocalise, dont les personnages ne sont pas individualises, qui repon-drait ä une conception .enfantine' de l'univers, et qui serait d'une.indifference morale' absolue; während aber Thimme, der so wenig,wie Van Gennep, sagt, er habe das europäische Märchen im Auge,in einer Fußnote beifügt, daß es, was die nicht bestimmt benanntePerson betrifft, in den Märchen anderer Völker anders sei, wofürer als Beispiel den Härün ar-Rasid der Araber und die Königeund Prinzen der „altägyptischen Märchen" heranzieht, läßt VanGennep diese üblichen Erwägungen vollständig außer Acht. Ebensoschaltet sie auch Johannes Bolte wenigstens in seiner Definition aus,die lautet (Bolte-Polivka, IV, 4): „Unter einem Märchen verstehenwir seit Herder und den Brüdern Grimm eine mit dichterischerPhantasie entworfene Erzählung besonders aus der Zauberwelt, einenicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpfte wunderbareGeschichte, die hoch und niedrig mit Vergnügen anhören, auch wennsie diese unglaublich finden." Später (36) sagt zwar Bolte weiter:„Der hauptsächlichste Unterschied . . . zwischen dem Märchen undder Sage besteht in ihrem andersgearteten Verhältnis zur realenWelt", aber dieses Verhältnis zu der realen Welt ist ihm auch schonin den verschiedenen Märchen verschieden; denn er sagt weiter (39):„Wir werden am besten mit Aarne*) die Märchet» in die drei Gruppender Tiermärchen, der eigentlichen Märchen und der Schwanke ein-teilen; die eigentlichen Märchen zerfallen wieder in Zauber- oderWundermärchen, legendenartige, novellenartige und vom dummenTeufel oder Riesen handelnde Märchen." Wie man sieht, ist dieseletzte Gruppe nahe der Sage verwandt, und bei den novellenartigenMärchen ist das Verhältnis zu der realen Welt noch realer oder reellerals bei den Sagen; wie man aber weiter sieht, paßt die DefinitionBoltes nicht einmal für alle Erzählungen, die nach Aarne und ihmder Gruppe der eigentlichen Märchen zuzuzählen wären, und gar wasdieser Gruppe und den Tiermärchen und den Schwänken gemeinsamsein soll, so daß sie unter der Kollektivbezeichnung Märchen zu einemKorpus zusammengefaßt werden dürften, erfahren wir weder vonBolte, noch von Aarne. Verlegenheiten hat es schon für Aarne, denVater dieses Systems, im Überfluß gegeben, wie aus folgenden Sätzenhervorgeht (Verzeichnis, vilf.): „Für die Geschichten vom dummenTeufel ist es schwer gefallen, im Verzeichnis einen passenden Platzzu finden. Sie sind eigentlich Wundermärchen und wären als solchemit den übrigen Wundermärchen zusammenzustellen gewesen, aberda sie andererseits ihrem Charakter und Wesen nach den Schwank-märchen gleichen, sind sie als letzte, den Schwankmärchen am nächstenstehende Gruppe der eigentlichen Märchen eingereiht worden . . ."„Mitunter tritt der Fall ein, daß dasselbe Märchen zu zwei ver-schiedenen Gruppen gerechnet werden kann. Neben einem über-natürlichen Gegner oder Helfer kann z. B. ein Zaubergegenstandvorkommen . . ." „Es kann . . . dieselbe Erzählung sowohl alsTeufels- wie als Tiermärchen auftreten ..." „Es ist mitunter schwer
*) Verzeichnis der Märchentypen, 1910 = FF Communications, n° 3.