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Versuch einer Theorie des Märchens
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82 Der Glaube an die Tatsächlichkeit des Erzählten.

und das arabische Bett dieses Stromes, und da auch sonst nicht bekanntgeworden ist, daß dieser Strom in Persien oder Arabien etwas angespülthätte, was der Motivverbindung von der aus Rache das Feuer ver-löschenden Katze auch nur einigermaßen ähnelte, so können wir nurannehmen, daß Cosquin diese Redensart nur benützt hat, um durcheine Hypothese, die sich allerdings manchmal bewährt hat, über die un-bestreitbare Tatsache hinwegzukommen, daß zwischen den jungenindischen und der alten europäischen Fassung ein allzu großer zeitlicherAbstand ist, als daß sich für seine Behauptung von der indischen Pri-orität eine halbwegs plausible Rechtfertigung finden ließe. Das aberwundert uns nicht weiter, weil wir dasselbe, wie hier bei der Katze,vorhin auch schon bei dem Kater haben feststellen können, so daß wirzugeben müssen, daß Cosquin hier konsequent geblieben ist; wesent-licher ist für uns, daß Cosquin auch für Erzählungen, wo das Tier,dieser unser einer harten Prüfung unterworfene unglückliche Bruder,nicht besser ist als der Mensch, sondern sich als so boshaft undniederträchtig erweist, daß es sich für ein kleines Versehen rächt,indischen Ursprung annimmt.

Müssen wir also bei der rachsüchtigen Katze Cosquins Behauptungeines indischen Ursprungs ebenso ablehnen wie bei dem GestiefeltenKater, so hat er doch recht bei einer dritten Erzählung, allerdingsnicht weil er sich auch hier auf seine Theorie über die indische Metem-psychose stützt (Etudes folkloriques, 23 f.), sondern weil die schondasselbe feststellenden Darlegungen Benfeys durch später bekanntgewordene indische Versionen des ehrwürdigsten Alters bekräftigtworden sind; es handelt sich um die Erzählung von einem Manne,der mehrere Tiere und einen Menschen rettet, dann aber von' denTieren, die dankbar sind, vor den Nachstellungen des undankbarenMenschen gerettet werden muß, und diese Erzählung soll uns zuwichtigen Erwägungen führen.

In der schon oben (S. 72) erwähnten Form ist sie dem Buddhain den Mund gelegt, und am Ende teilt er mit:Der Mönch von damalsbin ich, der Rabe ist Säriputra, die Schlange Ananda, der Jäger aberDevadatta", d. i. des Buddhas Vetter, der ihn mehrmals aus demLeben zu räumen versucht hat; in dem ebenfalls schon genanntenJätaka, wo das Motiv mit der Flutsage verknüpft ist, sagt der dieVergangenheitserzählung mit der der Gegenwart verknüpfende Schluß:Damals war Devadatta der böse König, die Schlange war Säriputra,die Ratte Maudgalyäyana, der Papagei Ananda, und der gerechteKönig, der nachher zur Regierung gelangt ist, war ich", und ähnlichist der Schluß einer wieder nur chinesisch erhaltenen Erzählung beiChavannes, I, 87 f. (auszugsweise mitgeteilt in meinen Märchen desMittelalters, 246), die sich geradezu als eine Bearbeitung der indischenFlutsage darstellt. Alle diese Erzählungen gehören nun dem buddhisti-schen Kanon an, haben daher für den frommen Buddhisten etwadieselbe Bedeutung, wie für den gläubigen Christen eine Erzählungdes Evangeliums, und wenn sie schließlich vielleicht auch unter denBekennern des Buddhismus, deren es ja in seiner Heimat nur nochwenige gibt, nicht allgemein geglaubt werden, so haben sie doch