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Versuch einer Theorie des Märchens
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Unsichere Zusammenhänge. 79

leitet fühlen, nicht nur das Märchen Basiles, das 1636 zum erstenMale gedruckt worden ist, sondern auch die Volkserzählungen vonden zwölf Monaten auf die Erzählung von den drei Ribhu zurück-zuführen, zumal da unter ihnen eine Version, eine polnische, ist, woanstatt der Monate die Jahreszeiten auftreten. Nun gibt es jedoch,zwar nicht zu dem Streite der Monate, aber zu dem Zuge, daß sie einenMenschen beschenken, der überdies ein Erdbeeren suchendes Mädchenist, eine weitaus ältere Parallele; sie steht, wie Georg Polivka in seinerAbhandlung Slovenska pohädka o dvanäcti mesickäch ausführt (AlbumSocietatis scientiarum Sevcenkianae Ukrainensium Leopoliensis, 1925,18), als Randbemerkung in einer aus der Mitte des vierzehnten Jahr-hunderts stammenden lateinisch-tschechischen Handschrift der Kapitel-Bibliothek auf dem Prager Hradschin, enthaltend den Astronomiariusvon Claretus de Solentia, und diese Randbemerkung lautet:

In Brundis legitur quod quedam mulier misit filiam colligerefraga in mense Februo. Que intrans silvam vidit XII plechaczuowresidentes circum ignem. Quibus impendit:Bonum mane", et unusillorum:Quid queris?" lila respondit:Colligo fraga." Quibus (Cui)Februus dixit:Carpe". Et illa tulit et portavit matri, et mirati sunt.

Professor Polivka, der zu diesem Texte bemerkt, daß die Quellen-bezeichnung In Brundis unverständlich sei, unverständlich auch dasWort plechäCi (Glatzköpfe, Greise), führt weiter aus, daß wir bei demFehlen des wichtigen Motivs von der Stiefmutter und der Stief-tochter keineswegs annehmen dürften, dieses habe in einer etwa anzu-nehmenden Vorlage gestanden; trotzdem sind wir, mit ihm, berechtigt,diese Erzählung als eine Vorstufe moderner Märlein zu bezeichnen,von denen das frühest aufgezeichnete es steht bei Erben, Sto prosto-närodnich pohädek, 1855, 291 f. folgenden Inhalts ist: Die Stief-tochter, die im Winter um Erdbeeren geschickt wird, trifft zwölfJünglinge und grüßt sie; sie versprechen ihr zu helfen, wenn sie gesagthaben werde, welcher Monat der beste sei. Sie antwortet, alle seiensie gut, der beste aber sei der März, da er die Hoffnung bringe. Be-friedigt von ihr, weisen sie ihr in der nächsten Niederung eine sonnigeLichtung voller Erdbeeren. Dann folgt das Gegenstück mit der eigenenTochter der Stiefmutter, und zum Schlüsse heißt es:Die Jünglingewaren die zwölf Monate."

Nun kann einerseits nicht behauptet werden, daß eine Fassung,die das Allerweltsmotiv der mißglückten Nachahmung nicht enthält,schon aus diesem Grunde älter sein müßte als die Quelle der andern,wo dem belohnten guten Menschen ein bestrafter schlechter gegenüber-steht, und andrerseits ist doch wohl nicht unbedingt ausgeschlossen,daß Erzählungen, wie die von den drei Jahreszeiten und die von denzwölf Monaten, unabhängig voneinander entstanden wären, zumal dadie Form des Kathäratnäkara, wo die drei Ribhu zuerst unterein-ander um den Vorrang streiten, in diesem Teile eine Parallele in einerAisopischen Fabel hat (Halm, n° 414; Chambry, n° 347), die einStreitgespräch zwischen dem Winter und dem Frühling enthält; wirwerden daher bei der Erzählung von den zwölf Monaten, die zwarin ihrem Eingang an das 13. Märchen der Brüder Grimm erinnert,