Das Verbrennen des Haars. 71
arabischen Texten, und wo es in Volksmärchen auftritt, kann manmit Sicherheit auf einen Ursprung aus diesen Literaturen schließen.Das Muster scheint die Geschichte von der Sünurgh zu sein, die demKinde Zal eine Feder gibt mit dem Auftrage, sie im Notfalle zu ver-brennen (Firdausi-Mohl, I, 176, 276, IV, 535; at-Tha'alibi-Zotenberg,69, 366; vgl. Mirkhond-Shea, 303), und dieser Gottesvogel tut des-gleichen auch noch in dem Bahar-danus (transl. J. Scott, 1799,III, 104), aber schon in dem ursprünglich persischen Roman Die Rosevon Bakawali (1712) ist es eine Div, die Haare weggibt, damit siedurch ihr Verbrennen gerufen werden könne (W. A. Clouston, A Groupof Eastern Romances, 1889, 268 f.), und ein männlicher Div tutdasselbe in einem persischen Märchen, das in einer 1830 nieder-geschriebenen, wahrscheinlich aber altern t Sammlung steht (Aug.Bricteux, Contes persans, 1910, 406); eine Ginn handelt so schon inTausendundeiner Nacht (Chauvin, V, 5), und angesichts dieser Autoritätist es nicht weiter zu verwundern, daß das Verbrennen des Haars inden Ländern, die der arabischen Kulturbeeinflussung unterliegen,reichlich Verbreitung gefunden hat: das so leichtsinnig über sein Haarverfügende Wesen ist z. B., abgesehen von europäischen Fassungen,bei Spitta-Bey, Contes arabes modernes, 1883, 154 und Artin Pacha,Contes pop. ined. de la vallee du Nil, 1895, 117 ein Pferd, bei HansStumme, Tunische Märchen, 1893, 63, demselben, Märchen der Schluh,1895, 149 und L. Frobenius, Atlantis, II, 1922, 169 ein Unhold, undbei J. Desparmet, Contes pop. sur les Ogres, 1909 f., II, 328 eineGuhle. Nicht, daß nicht auch gelegentlich zu Tage träte, daß mandas Ungehörige empfindet: bei Desparmet z. B. heißen SchlangenBenzon und Ameisen Kuskussu verbrennen, um sie zu rufen (269),Ghulen ein Pulver (32 und 343), und in einem Märchen aus Tausend-undeinem Tag kann ein Div gerufen werden, indem man ein Blatteines männlichen Palmbaums verbrennt (Chauvin, VI, 108).
Dieser Befehl, übergebene Haare zu verbrennen, ist natürlichnicht unter allen Umständen befolgbar; darum gibt bei Spitta-Beydas Pferd dem listigen Mohammed nicht nur ein Haar, sondern aucheinen Feuerstein. Das ist aber die Ausnahme, und allgemein ist esdie Sorge des Helden, zu sehen, wie er sich Feuer beschafft, und wieer das anstellt, wenn er z. B. im Gefängnis ist, wird nicht gesagt; soin einem andern Märchen aus Tausendundeinem Tag (Benfey, Pan-tschatantra, I, 202 f.), das zu der Gruppe der samt einem undankbarenMenschen aus einer Grube geretteten dankbaren Tiere gehört, undseinen modernen marokkanischen Parallelen (Stumme in der Zeitschr.d. D. Morgenl. Ges., XL VIII, 394 f., Doct. Legey, Cont. et log. pop.du Maroc, 1926, 249 t. und de Rochemonteix im Journal asiatique,1889, 208 f.), wo es sich um Verbrennung von Borsten oder voneinem Hautstückchen einer Schlange handelt (nebenbei gesagt, ist dieSchlange an der letztgenannten Stelle so schlau, ein Stückchen ihrerHaut aus dem vergangenem Jahre zu geben). In den alten indischenVersionen aber erscheinen die dankbaren Tiere, soweit sie nichtvon selber kommen, in dem Augenblicke, wo ihr Wohltäter an siedenkt (s. z. B. Benfey, I, 199, II, 131, Somadeva, II, 107 f., Hertel,Paficatantra, 135 f., Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges., LXI, 52 f.; s. auch