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Versuch einer Theorie des Märchens
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34 Zweifelhafte Zusammenhänge.

Äpfel ihre Aufgabe; erst nach der Antwort des letzten Speichels stehtder Riese auf. Köhler zitiert (a. a. O., in) zu denredenden Äpfelnund Apfelstücken" einige Varianten, und diese sind in dem Abdruckeder Abhandlung in den Kleinern Schriften (I, 171) erheblich vermehrt,aber erst in der noch längern Liste bei Bolte und Polivka (II, 527)ist der Speichel an die richtige Stelle gerückt, ebenso wie die ihn dannund wann vertretenden Blutstropfen; denn daß Speichel oder Blutdas Ursprüngliche ist, daß also das von Campbell als letztes gegebeneund von Köhler als letztes besprochene gälische Märchen die richtigeForm darstellt, die in den andern verdorben ist, ergibt sich aus derTatsache, daß nach primitiver Meinung zwischen dem Speichel oderdem Blut und dem Menschen, von dem sie herrühren, eine innigeBeziehung besteht, so daß man z. B. auf ihn einwirken kann, wennman auf diese Dinge einwirkt, daß also hier der Speichel oder dasBlut die Stelle des Menschen, ein gewisser Teil die des Ganzen vertritt.Nun verstehen wir aber auch, daß in der vorhin besprochenen Erzählungvon den zauberkundigen Lappen aus dem Schnee ein Fluß, aus demSteinchen Berge werden, in dem Kathäsaritsägara aus Erde, Wasserund Dornen ein Gebirge, ein Fluß, ein Dornenwald. Die Äpfel sindin das gälische Märchen zu einer Zeit gekommen, wo man die alteAnschauung und sohin auch das ihr entsprungene Motiv nicht mehrverstand, und die Märchen, wo anstatt Erde, Wasser und Dorneneine Bürste, ein Kamm und ein Spiegel ausgeworfen werden, weisenin eine Zeit, wo man besser als den primitiven Satz von der Wesens-einheit des Teils und des Ganzen die Erfordernisse der Toilette kannte,die sich übrigens ganz gut zur Anwendung der nachahmenden Magieeigneten.

Eine Frage ist es nun, ob eine ähnliche Anschauung auch in denvielen Märchen mitspielt, wo Leichenteile, die ein Blaubart die gefreitenMädchen hat essen heißen, auf seinen Ruf, wo sie seien, den Ort ver-raten, wohin sie geworfen worden sind; die Fortsetzung ist dann inden einzelnen Märchen verschieden, aber es genügt, als Typos einrumänisches anzuführen, wo schließlich ein Mädchen die Ohren und dieNase einer Leiche, die sie hätte essen sollen, der Katze zu fressengibt, diese tötet und sie sich auf den Bauch bindet, so daß dann Ohrenund Nase dem Frager antworten können:Im Bauche." Die Ver-sionen, die Köhler bespricht (I, 314 t.), und die andern, die Bolte undPolivka anführen (I, 400, 401 f., 410), gestatten keinen Schluß, undverwirrt wird die Sache noch durch mehrere mittelalterliche Märlein:der hl. Patrick, der irische Schutzpatron, läßt ein Schaf in dem Leibedessen, der es gestohlen und verzehrt hat, blöken (Legenda aurea,c. 50; Graesse 2 , 1850, 213), dasselbe tut sein Landsmann, der hl. Keivinoder Coemgenus (H. Günter, Die christliche Legende, 1910, 25), ander hl. Winifred Brunnen, dem wohl die Stadt Holywell ihren Namenverdankt, meckert unter denselben Umständen eine Geiß (Wirt Sikes,British Goblins, 1880, 349), dasselbe ereignet sich an dem Grabe deshl. Machutus oder Malo in der Bretagne (Liber exemplorum, ed. A.G. Little, 1908, 105 f.), und im Jahre 1231 erhält der bolognesischeDominikaner Johannes von seinem Liebling, einer Elster, die einKnecht heimlich verzehrt hat, auf die Frage:Ubi es nunc, amica,