Märlein von der Botschaft ins Jenseits. 27
bei dem Freiheitskampfe der Griechen gegen die Türken, soll, wieC. J. Lawson berichtet (Modern Greek Folklore, 1910, 339 t.), aufder Insel Santorini (Thera) ein Mann zu dem hl. Nikolaus gesandt,d. h., getötet worden sein, damit er von ihm den Sieg für die in derNähe ankernden griechischen Schiffe erbitte. Man braucht sich alsonicht sonderlich zu verwundern, daß nach R. Fr. Burton der Königvon Dahome noch in dem zweiten Drittel des vorigen Jahrhundertsnach jeder Handlung, mochte sie noch so gleichgültig sein, dieMeldung davon mit einem Boten, der natürlich getötet wurde, seinemVater ins Schattenreich geschickt hat (Edward B. Tylor, PrimitiveCulture, 1871, I, 417). Es gibt aber andere Dokumente, die uns beiunserer Untersuchung mehr interessieren.
In dem 8. der Contes des Scheichs al-Mohdi, die J. J. Marcel 1828herausgegeben hat (Chauvin, IV, 140), wird dem Sohne des von demgroßen Alexander besiegten indischen Königs Porus ein angeblich vondiesem in der andern Welt geschriebener Brief überbracht, der dieBitte ausspricht, ihm den im Amte befindlichen außerordentlichtüchtigen Wesir zu senden; der Brief ist von den mit den Brahmanenverbündeten Ministem geschrieben, die ihren Vorgesetzten verderbenwollen. Dieser läßt sich unter dem Scheiterhaufen, auf dem er ver-brannt werden soll, eine unterirdische Wohnung errichten und ent-rinnt so dem ihm zugedachten Schicksal. Nach einiger Zeit erscheinter wieder und bringt aus dem Jenseits einen neuen Brief von Porusmit, der nun die Übersendung der Minister und der Brahmanen fordert,so daß der Wesir über seine Feinde triumphiert. In einer georgischenSammlung, deren Erzählungen aus dem siebzehnten und dem acht-zehnten Jahrhundert stammen, ist es wieder ein indischer Hof, wosich die Geschichte zuträgt (J. Mourier, Contes et 16gendes du Caucase,1888, 8 f.), ungenannt ist der Ort in der 145. der von H. Parkergesammelten Village Folk-Tales of Ceylon (1910!, II, 304), in der12. der von Aurel Stein in Kaschmir aufgezeichneten Hatim's Tales(1923, 99 f.) und in einem Märlein aus Dschaipur (ebendort, XLI,und in Jemen ist die Geschichte lokalisiert in dem um 1700 verfaßtenpersischen Märchenbuch Mahbüb al-qulüb (W. A. Clouston, A Groupof Eastern Romances and Stories, 1889, 182 f.). Einzelne dieserGeschichten und andere (s. Emm. Cosquin, Contes indiens, 1922, 252)sind in Parallelen des Grimmschen Märchens Ferenand getrü unFerenand ungetrü eingefügt; ganz für sich wieder steht die 8. Er-zählung des Siddhi-kür (B. Jülg., Kalmükische Märchen, 1866, 43 f.),wo der Maler Ananda den Holzkünstler Ananda zu dem Vater desChans in das Götterreich schicken will, dann aber diese Reise selberantreten muß.
Man sieht: der Grundgedanke, auf dem all diese zu Märleinausgeschmückten Geschichten beruhen, ist derselbe, wie in dem Apo-phthegma von Tiberius, dem vielleicht ein andres zur Seite gestelltwerden könnte, wo der Handelnde und Redende der schon genannteEzzelino da Romano ist: dieser gesellt den elf tausend Paduanern,die er verbrennen läßt, seinen ihm unbequem gewordenen KanzlerSer Aldobrandino zu mit dem Bemerken, er solle die Seelen derHinzurichtenden dem Teufel als sein Geschenk zuführen (Boccaccio,