Druckschrift 
2 (1853) Organische Chemie
Entstehung
Seite
247
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Thiosinnamin.

247

Schwefelhaltige Basen.Thiosinnamin: C 8 H 8 N. 2 S 2 .

421. Diese Base bildet sich durch Vereinigung von Senföl,C,H s NS äl mit Ammoniak, C,H s HS,-f NH J = C 8 H 8 N a S,.Lässt man das ätherische Senföl mitwässerigem Ammoniak ste-hen, so verwandelt es sieh bald in eine Krystallmasse von Thio-sinnamin. Dieses krystallisirt in weissen glänzenden Säulen, schmilztbei 70° und zersetzt sich in höherer Temperatur. Es schmecktbitter und reagirt nicht auf Pfianzenfärben. Es ist in kaltem,leichter in heissem Wasser löslich und löst sich auch in Aetherund in Weingeist leicht auf. Mit den Säuren vereinigt es sich zusauer reagirenden Salzen, die indessen von Wasser leicht zer-setzt werden. Durch Bleioxyd wird es in Sinnamin (382.) ver-wandelt.

Thialdin: C 1B H 18 NS 4 .

422. Das Thialdin bildet sich bei der Behandlung von Alde-hyd-Ammoniak mit Schwefelwasserstoff:

3 (C 4 H, 0 2 . NH 8 ) + 6 II S = C 12 H 13 N S 4 -f 2 N H, S + G H O.Um es darzustellen, leitet man in eine wässerige Lösung vonAldehyd - Ammoniak, der man etwas Ammoniak zugesetzt hat,SchwefelwasserstofFgas; das Thialdin scheidet sich nach kurzerZeit in farblosen, glänzenden Krystallen ab. Dieselben sind inWasser sehr wenig löslich, leicht in Alkohol und in Aether.Es schmilzt bei 42" und lässt sich in niederer Temperatur sub-limiren. Es besitzt einen unangenehmen Geruch, der sehr haftet.Mit den Säuren vereinigt es sich zu krystallisirbaren Salzen.Erwärmt man es mit salpetersaurem Silberoxyd, so zerfällt eswieder in Aldehyd und Ammoniak unter Abscheidung von Schwe-felsilber. Man kennt eine dem Thialdin entsprechende Verbindungdes Selens, das Selenaldin: C,., H, 3 N Se.,.

Cystin: C 6 H r N0 4 S 8 .

423. Das Cystin ist ein seltener Bestandteil der Blasen-steine, aus welchen es mit Ammoniak ausgezogen und durch Ver-dunsten in wasserhellen Blättchen krystallisirt erhalten wird.Es ist unlöslich in Wasser und Weingeist, löst sich aber in den