XII. Harze, Balsame.
5G4. Die etherischen Oele erleiden an der Luft allmälig Ver-änderungen; sie färben sich dunkler, nehmen eine dickere Con-sistenz und eine saure Keaction an. Gewöhnlich entstehen hier-bei verwickelte Zersetzungen, die man noch nicht genauer kennt,in einigen Fällen jedoch lässt sich diese Verwandlung näher ver-folgen. So sahen wir, dass Bittermandelöl in Benzoesäure, dassZimmtöl in Zimmtsäure und dass Cuminol in Cuminsäure durchAufnahme von Sauerstoff übergehen. In anderen Fällen erfolgteine Aufnahme von Sauerstoff unter Austritt (gewöhnlich eineräquivalenten Menge) von Wasserstoff.
Aehnliche Producte, wie die durch Oxydation der ätherischenOele entstehenden, finden sich in der Natur fertig gebildet; mannennt sie im Allgemeinen Harze. Die Harze werden meistenszugleich mit ätherischen Oelen durch Drüsen aus den Pflanzenabgeschieden, oder sie quellen aus Einschnitten in diese hervor.Sie sind dann entweder Auflösungen von Harzen in ätherischenOelen, die man mit dem Namen Balsame bezeichnet, oder siesind mh Gummi und Pflanzenschleim gemengt, wie der sogenannteMilchsaft, und man nennt sie dann Gummi- oder Schlcim-harze.
Bei dem Stehen an der Luft verändern sich die Balsame da-durch, dass das ätherische Oel eine Oxydation erleidet. Sie wer-den mehr oder weniger hart; so lange sie knetbar sind, nenntman sie Weiehharze, sind sie dagegen spröde, so heissen sieHartharze.
Man trennt die Harze von anderen beigemengten Körpernauf verschiedene Weise. Die ätherischen Oele werden durch Destil-lation mit Wasser, wobei das Oel sich verflüchtigt, entfernt, vonGummi und Schleim befreit man sie durch Auflösen in Alkohol,wovon das Harz aufgenommen und durch Zusatz von Wasserwieder ausgefällt wird.