Einleitung. 53
sind, dass sie gewissermaassen nur durch die Trägheit der Ma-terie bestehen, und bei der schwächsten Einwirkung eine Verän-derung erleiden. Der Jodstickstoff und Chlorstickstoff z. B. zer-setzen sich schon bei der leisesten Berührung mit einem fremdenKörper. Das Wasserstoffhyperoxyd zersetzt sich, sowie es ent-standen, unaufhörlich, aber allmälig, und nach kurzer Zeit ist esvollständig in Wasser und Sauerstoff zerfallen. In ähnlicherWeise zersetzen sich manche organische Stoffe, namentlich solchevon sehr complicirter Zusammensetzung, freiwillig, d. h.ohne weitere Einwirkung chemischer Mittel, und zerfallen ineinfacher zusammengesetzte Stoffe, welche unter den Verhält-nissen, in welchen sie entstanden, keiner weiteren Veränderungmehr fähig sind, unter geänderten Umständen aber wieder eineneue Zersetzung erleiden können.
Man nennt diese freiwillig eintretende Zersetzung der orga-nischen Stoffe Fäulniss, und die Substanzen selbst erhalten dieBezeichnung fäulniss fähige Stoffe. Zum Eintreten derFäulniss sind gewisse Bedingungen nothwendig, bei deren Aus-schluss sie nicht erfolgt. Die Fäulniss tritt nur bei einer gewis-sen Temperatur ein, welche über 0° und unter 100° liegt, am bestenbei 20—30°; Frostkälte und Siedehitze heben sie auf; sie erfolgtnur bei Gegenwart von Wasser, und es ist eine, wenn auch vorüber-gehende Berührung mit Sauerstoff nothwendig. Hat die Fäulnisseinmal begonnen, so kann man den Zutritt von Sauerstoff abhal-ten, ohne dass damit die Fäulniss selbst aufhört.
Zu den fäulnissfähigen Stoffen gehören besonders die Stick-stoff- und schwefelhaltigen Bestandtheile der Thiere und derPflanzen, welche man unter dem Namen albuminartige Kör-per begreift, z. B. Eiweiss, Käsestoff, die Substanz der Muskelnund Membranen, Schleim u. s. w.
Die bei der Fäulniss entstehenden Producte sind nicht ver-schieden von den durch Einwirkung starker Säuren oder Alkalienaus denselben Körpern darstellbaren Stoffen.
Die Verbindungen dieser Stoffe mit arseniger Säure, Einläch-Chlorquecksilber und anderen Metallsalzen, sowie mit Gerbstoff,Kreosot, sind der Fäulniss nicht fähig, und aus diesem Grundewird die Fäulniss durch Zusatz solcher Stoffe verhindert.
CO. Kommt ein im Zustande der Fäulniss befindlicher Kör-per mit einem anderen für sich der Fäulniss nicht fähigen orga-nischen Stoff in Berührung, so erleidet letzterer häufig auch eineZersetzung. Es findet hierbei gewissermaassen eine Uebertragung