50 Einleitung.
wandeln können (was in neuerer Zeit an vielen Metallen durchden Versuch bewiesen ist), so folgt daraus noch nicht, 'dassauch alle Verbindungen in den gasförmigen Zustand übergeführtwerden können. In höherer Temperatur zeigt sich oft die Affi-nität der Elemente in anderer Weise, als bei gewöhnlicher Tem-peratur, und es treten daher in der Wärme häufig Veränderungender zusammengesetzten Stoffe ein.
Es giebt viele organische Stoffe, welche unzersetzt in Dampf-form übergehen können, und welche sich daher, ohne eine Ver-änderung zu erleiden, destilliren lassen. Leitet man diese Körperaber in Da.mpfform durch eine zum Weissglühen erhitzte Röhre,so erleiden sie eine Zersetzung, in welcher rein unorganische Pro-ducte, z. B. Wasser, Kohlenoxyd, Kohlensäure. Kohlenstoff, Was-serstoff, Stickstoff u. s. w-, auftreten. Die Temperatur, in welcherdie Zersetzung eintritt, ist für verschiedene Verbindungen nichtdieselbe. Bei manchen organischen Körpern liegt die Zersetzungs-temperatur dem Siedepunkte sehr nahe, und in diesem Falle de-stilliren sie nur theilweise unzersetzt. Man kann die Destillationerleichtern, wenn man dieselbe im luftleeren Baum vornimmt, weildadurch der Siedepunkt erniedrigt wird, oder wenn man die Sub-stanz in einem Gasstrom erhitzt, welcher auf sie keine chemischeEinwirkung äussert. Bringt man Indigblau auf ein Uhrglas, decktdieses mit einem zweiten Uhrglas zu, und erhitzt das untere, sosublimirt das Indigblau in prächtig purpurfarbenen Blättchen, aberein Theil davon wird stets zersetzt, und es bleibt daher ein koh-liger Bückstand. Wirft man dagegen auf eine massig erhitzteSilberplatte feinzertheiltes Indigblau, so verdampft es in der Luft,ohne eine Spur von Kohle zu hinterlassen.
Organische Substanzen, welche in der Hitze leicht eine Ver-änderung erleiden, destillirt man am besten im luftleeren Kaumiwodurch der Siedepunkt bedeutend niedriger gerückt wird. Ameinfachsten benutzt man hierbei folgenden Apparat.
Man bringt die zu destillirende Substanz in eine Betorte A(Fig. IG s. f. S.), welche mit einer tubulirten Vorlage in Verbindungsteht, und durch Siegellack luftdicht daran befestigt ist. In demTubulus der Vorlage wird eine mit einem Hahn versehene Blei-röhre luftdicht angebracht, welche mit der Luftpumpe in Verbin-dung steht.
Man erhitzt die Retorte A im Wasser- oder Oelbad, erkaltetdie Vorlage B durch Umgeben mit Eis oder kaltem Wasser, undpumpt sie leer, worauf man sie durch Umdrehen des Hahns rvon der Verbindung mit der Luftpumpe abschliessen kann.